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Die liberale Gesellschaft hat sich selbst vergessen. Statt auf Selbstbestimmung und Eigenverantwortung zu bestehen, beruft sich das liberale Individuum gern auf sein Recht, vom Staat gehätschelt und umsorgt zu werden. Statt Kreativität und innovativem Umgang mit den Anforderungen einer sich stetig ändernden Welt verfängt es sich in den Schlingen der Bürokratie. Ein marodes Bildungssystem und eine ebenso marode Infrastruktur bilden Anlass zu Küchentischgesprächen, führen aber nicht zur Aktivierung der Menschen, deren Vorfahren sich die liberale Gesellschaft hart erkämpft haben. So bleibt das liberale Individuum und mit ihm seine gesamte Gesellschaft auf der Mittelspur, weil es schließlich das Recht dazu hat, egal, wie schädlich es für den Verkehrsfluss und wie gefährlich es für jeden Einzelnen ist. Ohne es zu merken, nagen alle Akteure an der für eine funktionierende liberale Gesellschaft wesentlichen Beziehung zwischen Staat und Individuum. Können sie nicht verstehen, was sie tun, oder wollen sie nicht? Die Autorinnen von "Mama liberal" gehen dieser Frage in kleinen Portionen nach; dabei geht es ihnen nicht um eine intensive Auseinandersetzung mit liberalen Theorien, sondern um den Abgleich von Alltagsbeobachtungen mit den allseits bekannten Grundsätzen einer liberalen Gesellschaft, aus dem Probleme abgeleitet werden. Dabei möchten sie keine komplette Theorie entfalten, sondern Denkanstöße geben und zur Diskussion anregen.
geboren 1965 in Herne, wohnhaft in Bochum; Tätigkeit als Lehrerin für Deutsch und Geschichte und Schulleiterin von privaten Ersatz- und Ergänzungsschulen, jetzt Zeitarbeiterin im öffentlichen Bildungswesen.