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Heinrich Thodes "Franz von Assisi und die Anfänge der Kunst der Renaissance in Italien" entfaltet eine kunsthistorische These von großer Reichweite: Die Erneuerung der italienischen Kunst wurzelt nicht allein in formalen Entwicklungen, sondern in der geistigen Bewegung des Franziskanertums. Ausgehend von Franz von Assisis religiöser Natur- und Menschennähe deutet Thode die Malerei des Duecento und Trecento, insbesondere Giotto, als Ausdruck einer neuen Anschauung von Wirklichkeit, Gefühl und Individualität. Sein Stil verbindet philologische Gelehrsamkeit, historische Synthese und emphatische Interpretation. Thode, 1857 geboren und als Kunsthistoriker eng mit der deutschen Italienforschung des 19. Jahrhunderts verbunden, schrieb aus einer Zeit heraus, die nach den geistigen Ursprüngen der Renaissance fragte. Seine Beschäftigung mit italienischer Kunst, mittelalterlicher Frömmigkeit und kulturgeschichtlichen Zusammenhängen führte ihn zu einer Deutung, in der religiöse Erneuerung und künstlerische Formbildung untrennbar erscheinen. Das Werk spiegelt zugleich die methodischen Ambitionen einer Kunstgeschichte, die Stil, Weltanschauung und historische Erfahrung zusammendenkt. Empfohlen sei dieses Buch allen, die die Renaissance nicht nur als Wiedergeburt der Antike, sondern als vielschichtigen geistigen Prozess verstehen möchten. Trotz späterer Forschungskorrekturen bleibt Thodes Studie ein anregender Klassiker: kühn in der These, reich im Material und unverzichtbar für Leser, die Kunstgeschichte als Kulturgeschichte begreifen.