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Die Marquise von O... ist eine der bekanntesten Novellen von Heinrich von Kleist und wird im deutschsprachigen Raum bis heute gelesen, vor allem im Schul- und Universitätskontext, aber auch von Leserinnen und Lesern, die klassische Literatur, psychologische Stoffe und moralisch ambivalente Erzählungen schätzen. Inhaltlich ist der Text bis heute bemerkenswert, weil er ein für seine Zeit ungewöhnlich heikles Thema behandelt: Eine verwitwete Adlige wird unerklärlich schwanger und versucht verzweifelt herauszufinden, wer der Vater ihres Kindes ist. Daraus entsteht keine einfache Liebesgeschichte, sondern eine irritierende, hochspannende Erzählung über Ehre, Scham, gesellschaftliche Ordnung, Gewalt, Verdrängung und die Macht der Fassade. Gerade die berühmte Auslassung im Titel und die bewusst uneindeutige Darstellung machen den Text bis heute modern. Sprachlich ist Kleist nicht immer leicht, aber Die Marquise von O... gehört zu seinen zugänglicheren und zugleich wirksamsten Texten.
Heinrich von Kleist ist der große Unverstandene der deutschen Literaturgeschichte, ein Außenseiter, dessen Leben ebenso rastlos und radikal verlief wie seine Texte. 1777 in eine preußische Offiziersfamilie hineingeboren, schien sein Weg vorgezeichnet, doch Kleist zerbrach an der Starrheit des Militärdienstes und der Vernunftgläubigkeit seiner Zeit. Die berühmte "Kant-Krise", in der er verzweifelt erkannte, dass die menschliche Erkenntnis niemals die absolute Wahrheit erfassen könne, wurde zum Wendepunkt seines Lebens und Schreibens.