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Gott sprach. Und der Klang zog vorüber. Aber aus jenem Klang entstand keine Wahrheit, sondern Religionen. Wenn Gott allmächtig ist, warum wandern feindliche "Götter" umher? Warum wird dasselbe Wort in so vielen Händen zum Messer? Die Wunde liegt in der Methode selbst. Wie passt das Unendliche ins Endliche, wie fällt das Transzendente in die Sprache? Der Knoten wurde nie gelöst; das Instrument blieb dasselbe: Worte. Kernthese: vielleicht ist Gottes einziges Problem, sich selbst auszudrücken. Die christliche Tradition überschritt jene Grenze früh: Das Wort genügte nicht, das Wort wurde Fleisch. Gott spricht nicht mehr nur, er wird sichtbar, wird verwundet. Der Koran hält genau dort inne. Ein Schritt näher, ein Schritt zurück. Er nennt Jesus Kalimatuhu und einen Geist von ihm, aber nicht Gott. Das Wort ist erhaben, aber nicht auf dem Thron - keine Ablehnung, eine Grenzziehung. Das Buch geht diese Verwerfungslinie entlang. Rahman und Rahim - nicht-physische Vaterschaft und handelnde Nähe - fallen in der Maryam-Sure bei Jesu Geburt zusammen. Der Logos wird von Heraklit über Stoa und Philon bis zu Johannes verfolgt; die Koran-Triade Kün-Qala-Qul tritt als drei Ringe desselben Wortes hervor. Von Arius bis zum Koran wird eine christologische Hierarchie verfolgt. Jesu Koran-Titel - Kalimatuhu, Ruh Allah, Abdullah - werden nicht als Trinität, sondern als hierarchische Einheit gelesen. Allahs Attribute werden christologisch gelesen: Wakil, Warith, Wasi, Wali, Fürsprache. Zuunterst: HÛ und Allah. HÛ ist das absolute Unerkennbare; Allah ist der sich manifestierende Gott. Dieses ontologische Trennmerkmal trägt das philosophische Rückgrat Keine Polemik: es macht Jesus nicht zum Gott, verleugnet aber ebenso wenig, warum er so zentral steht. Wer Karen Armstrong, Reza Aslan oder Fazlur Rahman liest, findet hier eine systematische Theologie aus türkisch-niederländischer Hand. Vielleicht hat Gott, als die Worte nicht mehr genügten, sich selbst gewagt. Dieses Buch verfolgt jene Spur
Huseyin Dogan ist Autor und unabhängiger Forscher in vergleichender Theologie, Religionsgeschichte und philosophischer Kritik des institutionalisierten Heiligen. Er publiziert auf Türkisch, Niederländisch, Deutsch und Englisch an den Schnittstellen von Judentum, Christentum und Islam, in einer Linie von Heraklit bis Nietzsche. In jedem Text kehrt dieselbe Frage wieder: Lebt das Erstarrte wirklich?