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In die Beschreibung einer Kindheit auf dem Land mischt sich die zunehmende Gefährdung jüdischen Lebens im aufkommenden Nationalsozialismus - ein facettenreicher Roman und ein authentisches Zeitdokument
Anfang 1934 wird Rose Frankfurter ins Polizeipräsidium am Alexanderplatz in Berlin vorgeladen und wegen eines abgefangenen hitlerkritischen Briefes stundenlang verhört. In fünf Tagen werde man ihr die Entscheidung über ihr weiteres Schicksal mit teilen. Mit dieser eindrucksvollen Szene endet der autobiografisch grundierte Roman 'Die Welt in der ich lebte'. Die junge Ilse Lieblich selbst entscheidet sich zur Flucht. In Portugal schreibt sie 1949 auf Portugiesisch mit 'Die Welt in der ich lebte' ihren ersten Roman, auf der Folie ihrer Erinnerungen an das kleine Dorf, an das Aufwachsen bei den Großeltern, an die Schulzeit und die heimische Landschaft und die Menschen dort, aber auch an wachsende Erfahrungen von Ausgrenzung. Ein großes Wagnis, eine gelungene Vermittlung zweier Kulturen und Sprachräume und zugleich der Beginn ihrer Karriere.
(geb. Lieblich) wurde 1913 in Buer bei Osnabrück geboren. Sie floh 1934 in das Portugal Salazars und lernte in Porto junge Oppositionelle kennen, darunter ihren späteren Mann, den Architekten Arménio Losa. Zunächst war sie als Erzieherin tätig. Auf portugiesisch veröffentlichte sie drei Romane, drei Bände mit Erzählungen, über 20 Kinderbücher und Theaterstücke für Kinder sowie Chroniken und Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Als Lektorin und Übersetzerin war sie sowohl bei portugiesischen Verlagen für deutsche Literatur tätig (u.-a. Thomas Mann, Bertolt Brecht, Anne Frank, Anna Seghers) als auch bei deutschen Verlagen für portugiesische Literatur. Kinderbücher von ihr und 'Die Welt in der ich lebte' wurden in Portugal Schullektüre. Für ihr literarisches Werk erhielt sie zahlreiche Preise und 1991 das Bundesverdienstkreuz.