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Die Reichsbank war nicht nur an der Ausbeutung Polens beteiligt, sondern auch an der 'Germanisierung' des Landes und der Finanzierung von Ghettos.
Während der über fünfjährigen Besatzungszeit in Polen war die Reichsbank verantwortlich für die währungspolitische Beherrschung und Ausbeutung der annektierten Gebiete und des Generalgouvernements. Die NS-Währungspolitik führte zu einer ruinösen Verarmung der Bevölkerung und kam einer Plünderung der gesamten Volkswirtschaft gleich. Eine inflationäre Notenemission diente dabei vor allem der Finanzierung von deutschen Behörden, Wehrmacht, Polizei und SS. Darüber hinaus hatte die Währungspolitik der Reichsbank auch erhebliche Auswirkungen auf die nationalsozialistische Judenverfolgung und den Holocaust im besetzten Polen. Ob Finanzierung der Ghettos, Einsatz von Zwangsarbeitern, 'Verwertung' des Eigentums der jüdischen Bevölkerung oder Bezahlung der Deportationszüge: Vieles lief über Konten der Reichsbank, deren Beamte über alle Aspekte der NS-Massenverbrechen bestens informiert waren. Ab Sommer 1941 erweiterte die Reichsbank alle diese Mechanismen auch auf die besetzten Gebiete der Sowjetunion.
Ingo Loose studierte Geschichte, Philosophie und Slawistik in Hamburg, Warschau und Moskau sowie an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). 2005 promovierte er über deutsche Banken im besetzten Polen (1939-1945). Von 2000 bis 2010 war er Dozent an der HU. Seit 2010 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin (Forschungsabteilung Berlin) und Lehrbeauftragter an der Universität Potsdam. Seit 2025 ist er stellvertretender Chefredakteur der 'Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte'. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Juden in Polen und der Sowjetunion im 19. und 20. Jahrhundert, jiddische Literatur, die nationalsozialistische Besatzungspolitik in Ostmittel- und Osteuropa sowie die Wirtschaftsgeschichte des 'Dritten Reiches'.