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Dieses Buch beschäftigt sich mit den biologischen Grundlagen von Craving, Essanfällen und einer gestörten Hunger- und Sättigungsregulation. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle Insulinresistenz, die Regulation des Blutzuckerspiegels, das Belohnungssystem und die körpereigenen GLP-1-Signale bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Bulimie und Binge Eating spielen können.
Ich vertrete die These, dass diese Erkrankungen nicht ausschließlich psychologisch verstanden werden sollten. Insbesondere die enorme Intensität von Craving, der während eines Essanfalls erlebte Kontrollverlust und das teilweise fehlende oder stark verzögerte Sättigungsgefühl legen nahe, auch metabolische und neurobiologische Mechanismen wesentlich stärker zu berücksichtigen als bisher.
Das Buch erhebt jedoch nicht den Anspruch, sämtliche Ursachen von Bulimie und Binge Eating zu erklären. Traumatische Erfahrungen, Bindungsmuster, Stress, erlernte Gewohnheiten, emotionale Regulation, gesellschaftliche Einflüsse und individuelle Lebensgeschichten können weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Sie stehen hier jedoch nicht im Mittelpunkt. Der Schwerpunkt dieses Buches liegt bewusst auf jenen biologischen Mechanismen, die meines Erachtens bislang zu wenig Beachtung gefunden haben.
Ebenso wenig wird behauptet, dass eine Insulinresistenz bei allen Menschen mit Bulimie oder Binge Eating vorliegt oder dass sie als alleinige Ursache dieser Erkrankungen bereits wissenschaftlich belegt wäre. Gerade hinsichtlich einer möglichen Insulinresistenz bei schlanken Menschen mit Bulimie bestehen erhebliche Forschungslücken. Wo ich über die vorhandene wissenschaftliche Evidenz hinausgehe, kennzeichne ich dies als Hypothese und als Aufforderung zu weiterer Forschung.
Die neuen GLP-1-Medikamente sind für dieses Buch vor allem deshalb von Bedeutung, weil ihre Wirkung eindrucksvoll zeigt, wie stark Hunger, Sättigung, Craving und die Belohnungswirkung von Nahrung biologisch beeinflusst werden können. Dieses Buch ist jedoch weder eine Empfehlung für noch eine Anleitung zur Behandlung von Bulimie oder Binge Eating mit GLP-1-Medikamenten. Vielmehr stellt sich die weiterführende Frage, ob sich einige der durch diese Medikamente beeinflussten Mechanismen auch durch Ernährung, Lernen und andere nichtmedikamentöse Maßnahmen verändern lassen.
Das Buch ist somit keine vollständige Darstellung der Essstörungsforschung und ersetzt keine individuelle medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Es ist der Versuch, einen bislang vernachlässigten Teil des Puzzles genauer zu betrachten: die Biologie eines Verhaltens, das viel zu lange vor allem als Problem von Kontrolle, Disziplin und Psyche betrachtet wurde.