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Vorwort "Ein ewig Rätsel will ich bleiben mir und anderen.", schrieb einst Bayerns schillerndster Monarch Ludwig II., und das hat er auch erreicht. Noch heute arbeitet sich eine Vielzahl von Historikern an König Ludwig ab. Seine Bauten werden jährlich immer aufs Neue von Besuchern aus aller Welt geflutet. Dabei wirft seine Person einen großen Schatten auf all jene Künstler, die seine Träume in die Wirklichkeit umzusetzen halfen und seinen (Größen)-Wahnsinn Stein werden ließen. Einer dieser "beschatteten" Künstler ist Eduard Schwoiser: Historienmaler, königlicher Professor, Träger vieler Auszeichnungen ... und Brüsauer. Eduard Schwoiser kam 1826 im kleinen mährischen Landstädtchen Brüsau an der böhmischen Grenze zur Welt. Brüsau liegt in der größten deutschen Sprachinsel des einstigen Habsburgerreiches mit Namen Schönhengster Land oder Schönhengstgau. Den Namen erhielt die Sprachinsel von dem Gebirgszug "Schönhengster Rücken", und sie bestand aus den Kreisen Hohenstadt/Müglitz, Landskron, Mährisch-Trübau und Zwittau. Schwoisers Geburtsstadt Brüsau lag im Kreis Zwittau, und seine Vorfahren kamen aus der näheren Umgebung. Diese deutsche Sprachinsel existiert heute nicht mehr, denn durch die Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46 endete die 700-jährige Geschichte deutscher Besiedelung in der Region. Seit der Vertreibung versucht der 1954 gegründete Schönhengster Heimatbund e.V., die Kultur der Schönhengster auch ohne Heimatboden zu bewahren, und fördert historische Forschungen. Seit 2020 bin ich im Heimatbund als Ortsbetreuer für den Geburtsort meiner Großmutter Mährisch-Wiesen und die benachbarte Stadt Brüsau zuständig. Dabei stolperte ich über den Namen Schwoiser, den ich auch in meinem Stammbaum finden konnte. Das Interesse war geweckt, und ich fand bald die verwandtschaftliche Beziehung zum königlichen Hofmaler heraus: Schwoisers 3-facher Urgroßvater und mein 6-facher Urgroßvater waren im 18. Jahrhundert Brüder. Gleichzeitig stellte ich fest, dass Eduard Schwoiser im Schönhengster Bewusstsein ein eher ungeachtetes Dasein fristete und weitgehend unbekannt war. So wuchs bei mir der Wunsch, ihn aus dem Schatten König Ludwigs und des Vergessens herauszuholen. Zunächst war die Quellenlage zu Eduard Schwoiser sehr dünn, und einzig ein kleines Büchlein von 1984 mit dem Titel "Der Maler Eduard Schwoiser" von Hildtraud Nulle (herausgegeben vom Schönhengster Heimatbund) enthielt nähere Informationen zum Leben des Malers. Doch diese damals erschienene Biographie wies noch viele Lücken auf, und mir 6 wurde durch einige Nachforschungen in Originalen und in digitalisierten Druckschriften bald klar, dass das Thema Schwoiser noch längst nicht ausgeschöpft wurde. Neben den Details zu der Vita fehlten - und das ist bei einem Buch über einen Maler noch bedeutender - die Abbildungen seiner Kunst. Mir lagen nur einige alte Dias aus dem Schloss Herrenchiemsee vor, viel mehr Bilder waren damals 1984 nicht aufzutreiben. Doch mit der Zeit fand ich in alten Quellen immer mehr Hinweise auf Werke Schwoisers, die viele Jahrzehnte keiner beachtet hatte und die in der einschlägigen Literatur auch nicht bekannt waren. Die umfangreichen Nachforschungen zu Schwoisers Leben und Werk waren nur durch die Unterstützung des Schönhengster Heimatbundes und insbesondere durch unseren Obmann Dr. Wolfgang Fritscher möglich. Besonders bedanken möchte ich mich bei den zahlreichen Institutionen, die mir bei meinen Recherchen zur Hilfe kamen. Dies wären unter anderem das Schönhengster Archiv in Göppingen, die Archive in Leitomischl (Tschechien) und Starnberg, das Auktionshaus Karl & Faber in München, die Kunstakademie in Wien, das österreichische Nationalarchiv, die Nationalgalerie in Brünn (Tschechien), die katholischen Kirchen in Starnberg und Stockdorf, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und der heutige Besitzer des Sterbehauses Schwoisers. Ich hoffe nun, mit diesem Buch dem königlichen Hofmaler Eduard Schwoiser ein angemessenes Denkmal zu setzen und ihn wieder in das verdiente Licht zu rücken. Indem ich dieses Werk in die Hände der Schönhengster lege, sehe ich auch die Aufgabe als erfüllt an, unseren berühmten Landsmann wieder ins Schönhengster Gedächtnis gerufen zu haben. Mannheim, im Juli 2026 Jakob Lung
Inhalt Vorwort Kapitel I: Die Biographen Eduard Schwoisers Kapitel II: Herkunft der Familie Schwoiser Kapitel III: Familiendynastie Schwab - die Familie der Mutter Kapitel IV: Schwoisers Geschwister Kapitel V: Kindheit im mährischen Landstädtchen Kapitel VI: Ausbruch aus dem Elternhaus Kapitel VII: Ankunft und erste Jahre in München Kapitel VIII: König Max II. als Auftraggeber Kapitel IX: Im Bann des Märchenkönigs Kapitel X: Die Arbeit in den Königsschlössern Kapitel XI: Im Rathaussaal zu Landsberg am Lech Kapitel XII: Die Ersatzfamilie Kapitel XIII: Die Tragödie am Starnberger See Kapitel XIV: Versöhnung mit der mährischen Heimat Kapitel XV: Tod und Nachleben Personenregister Ortsverzeichnis Literatur und Quellen Bildnachweise