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Der Verschollene entfaltet einen klassischen Fall des Verschwindens, in dem die Abwesenheit einer Person zum Zentrum eines vielschichtigen kriminalistischen Rätsels wird. Fletcher verbindet die präzise Logik der Detektivgeschichte mit der erzählerischen Beweglichkeit des Abenteuerromans: Indizien, Ortswechsel und Gespräche treiben die Handlung voran, während die gesellschaftlichen Milieus des spätviktorianisch-edwardianischen England scharf konturiert erscheinen. In der Tradition der frühen britischen Kriminalliteratur steht der Roman zwischen Sensationsroman und moderner Ermittlungsprosa, nüchtern im Ton, doch sorgfältig auf Spannung komponiert. Joseph Smith Fletcher (1863-1935), Journalist, Historiker und außerordentlich produktiver Erzähler, brachte in seine Kriminalromane eine ausgeprägte Kenntnis regionaler Landschaften, juristischer Abläufe und publizistischer Recherche ein. Seine Arbeit für Zeitungen schulte den Blick für Nachricht, Gerücht und versteckte Zusammenhänge; seine antiquarischen und historischen Interessen erklären die genaue Aufmerksamkeit für Dokumente, Herkunftsspuren und soziale Rangordnungen. Der Verschollene wirkt daher weniger wie bloße Unterhaltung als wie ein methodisches Experiment im Erzählen von Wissen und Verdacht. Empfohlen sei dieser Roman Leserinnen und Lesern, die klassische Detektivliteratur nicht nur als Rätselspiel, sondern als kulturgeschichtliches Dokument verstehen möchten. Wer die geduldige Entfaltung von Hinweisen, die Autorität klarer Prosa und die moralische Ökonomie früher Kriminalfiktion schätzt, findet hier ein reizvolles, immer noch lesenswertes Beispiel des Genres.