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Die Idee der sympathischen, lebensklugen Denise von Schoenecker sucht ihresgleichen. Sophienlust wurde gegründet, das Kinderheim der glücklichen Waisenkinder. Denise formt mit glücklicher Hand aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren.
Es war einer jener sonnendurchleuchteten Spätsommertage, die das Herz mit Glück und stiller Wehmut zugleich erfüllten. Der Abschied vom Sommer lag in greifbarer Nähe. Der Herbst stand vor der Tür. Auch im Park von Sophienlust färbten sich die ersten Blätter. Die Rosen begannen zu welken, die gelblich gewordenen Blütenblätter schrumpften zusammen. Ein herber Duft wehte vom Springbrunnen herüber, wo sich ein Teil der Kinder um die Huber-Mutter und den alten Justus, die nebeneinander auf der Marmorbank saßen, versammelt hatte. Seit Jahren bildeten die beiden alten Leutchen einen beliebten Mittelpunkt im Kinderparadies Sophienlust. Andachtsvoll lauschten die großen und kleinen Kinder ihren Erzählungen, die an Fantasie unübertroffen waren. Die Geschichten der Huber-Mutter, einer Greisin mit hellseherischen Fähigkeiten, konfrontierten die Kinder mit übersinnlichen Dingen, die ihre an sich schon lebhafte Fantasie noch mehr anregten. Die Geschichten des alten Justus dagegen bewegten sich auf dem Boden der Realität. Sie waren besonders für die Jungen interessant. Justus erzählte am liebsten aus seiner Jugendzeit, die für die meisten seiner Zuhörer die »gute alte Zeit« war. Dann leuchteten seine alten Augen wie einst in jugendlichem Feuer, sodass die Blicke seiner Zuhörer wie gebannt an ihm hingen. Auch an diesem Tag führte der alte Mann, der einst Gutsverwalter bei Sophie von Wellentin gewesen war, das Wort. Dominik von Schoenecker-Wellentin, der Erbe von Sophienlust, den alle Nick nannten, Fabian Schöller, ein Dauerkind von Sophienlust, und noch zwei andere Buben, die nur vorübergehend in dem Kinderheim waren, hörten ihm gespannt zu. Pünktchen, die mit richtigem Namen Angelina Dommin hieß, und die kleine Heidi Holsten - beide gehörten ebenfalls zu den Dauerkindern von Sophienlust - interessierten sich nicht für Soldatengeschichten. Sie saßen deshalb etwas abseits auf dem Brunnenrand und beobachteten vergnügt die vielen Goldfische, die sich munter im Becken des Springbrunnens tummelten. Pünktchen war ein elfjähriges Mädchen mit goldblonden langen Haaren und veilchenblauen Augen. Ihren Spitznamen hatte sie wegen ihrer vielen Sommersprossen auf dem kecken Stupsnäschen von Dominik, der sie vor Jahren buchstäblich auf der Straße aufgelesen hatte, erhalten.