Installieren Sie die genialokal App auf Ihrem Startbildschirm für einen schnellen Zugriff und eine komfortable Nutzung.
Tippen Sie einfach auf Teilen:
Und dann auf "Zum Home-Bildschirm [+]".
Bei genialokal.de kaufen Sie online bei Ihrer lokalen, inhabergeführten Buchhandlung!
Die Frau auf dem Weg hat keinen Schatten. Sie steht dort, wo der Bergpfad zwischen schwarzen Kiefern enger wird. Ihr Hanbok ist knochenweiß, ihr Haar fällt offen über die Schultern. Dem jungen Holzfäller fällt der fehlende Schatten nicht auf. Ihm fällt ihr Gesicht auf. Er nimmt ihre Hand und hört nicht, wie unten im Dorf ein Hund zu heulen beginnt. Am Morgen findet man nur noch seine Rückentrage, das Holz über den Pfad verstreut und ein einzelnes weißes Fuchshaar an einem Zweig. Die Gumiho hat gefressen. Korea hat Monster. Und hat sie seit sehr langer Zeit. Keine Hollywood-Franchise-Monster. Diese hier sind älter und fremder. Sie kommen von einer Halbinsel, auf der die Wege zwischen den Dörfern durch Wälder führten. In diesen Wäldern verschwanden Reisende, und man fand nie mehr von ihnen als ihre Sandalen. Außerhalb Koreas kennt diese Wesen fast niemand. Die griechische Mythologie hat Homer, die japanische Anime und Miyazaki. Die koreanische blieb im toten Winkel. Die Wesen auf dem Bildschirm haben Namen und Geschichte Die Boten in Schwarz aus Goblin. Der neunschwänzige Fuchs aus Tale of the Nine-Tailed. Der Laut, der in The Mimic aus dem Nebel kommt. Du hast sie gesehen. Du wusstest nur nicht, dass Jahrtausende hinter ihnen liegen. Dieses Buch nimmt sich vierzehn von ihnen vor, eines nach dem anderen. Es ist keine Enzyklopädie und kein Bestimmungsbuch. Es ist ein Buch, das man von vorn bis hinten liest. Ein Wesen pro Kapitel. Erst die Fiktion, dann der Essay Jedes Kapitel beginnt mit einer erfundenen Szene. Du stehst neben dem Bauern, der der Kreatur im 15. Jahrhundert auf dem Bergweg begegnet. Dann weicht die Fiktion dem Essay: woher sie kommt, was sie bedeutet, wie sie sich über die Jahrhunderte verändert hat und warum sie bis heute zählt. Die vierzehn- Die Gumiho (구미호), der Fuchs, der tausend Jahre lebt und lernt, das Gesicht einer Frau zu tragen- Der Dokkaebi (도깨비), der Schelmengeist aus einem vergessenen Besen, der dich ruiniert oder reich macht- Der Jeoseung Saja (저승사자), der Bote in Schwarz, der pünktlich deine Seele abholt- Der Bulgasari (불가살이), der Eisen frisst, immer weiter wächst und nicht zu töten ist- Der Haetae (해태), der steinerne Wächter am Palasttor, der dir ansieht, ob du gelogen hast- Der Imugi (이무기), der Drache, der keiner wurde und tausend Jahre unter Wasser wartet- Die Cheonyeo Gwishin (처녀귀신), der Geist einer Frau, die als Jungfrau starb und wartet, statt anzugreifen- Der Jangsan Beom (장산범), im 21. Jahrhundert geboren, der im Nebel über Busan menschliche Stimmen nachahmt Die koreanische Mythologie hat keinen Kanon Keinen maßgeblichen Text, keine abgestimmte Fassung. Dieselbe Kreatur erscheint in einem Dutzend regionaler Spielarten. Die älteste Quelle für viele dieser Geschichten ist das Samguk Yusa, das der Mönch Iryeon 1281 zusammenstellte. Sie überlebten durch die Mudang (무당), die Schamaninnen, die Koreas mythologisches Gedächtnis in gesungenen Ritualen bewahrten. Vorwissen brauchst du keines. Jeder koreanische Name erscheint bei seiner ersten Nennung auch in Hangeul. Vierzehn Kapitel, zu jedem eine ganzseitige Abbildung. Für Leser von Nordische Mythen und Sagen, die jetzt dasselbe für Korea suchen. Band 1 der Trilogie zur koreanischen Mythologie. Es folgen Die Götter Koreas und Die Legenden Koreas. Und wenn du eines Nachts etwas im Nebel hörst, sieh dich nicht um.