Karin Weingartz-Perschel

Die stille Gefährdung der Demokratie

Zur strukturellen Entmündigung der Gegenwartsgesellschaft. 1. Auflage. 21,0 cm / 14,8 cm / 1,3 cm ( B/H/T )
Buch (Softcover), 178 Seiten
EAN 9783389206683
Veröffentlicht September 2026
Verlag/Hersteller GRIN Verlag

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€ 19,95 inkl. MwSt.
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Beschreibung

Demokratie ist keine bloße Herrschaftsform. Sie ist eine anspruchsvolle Sozialordnung, die auf spezifischen anthropologischen, kulturellen und institutionellen Voraussetzungen beruht. Sie verlangt Urteilskraft, Verantwortungsbereitschaft, Konfliktfähigkeit und die Fähigkeit, Differenz auszuhalten. Ohne diese Dispositionen bleibt sie zwar formal bestehen, verliert jedoch ihre Substanz.
Es bedarf keiner offenen Systembrüche, um demokratische Strukturen zu schwächen; vielmehr lässt sich eine stille Transformation jener Voraussetzungen beobachten, auf die Demokratie angewiesen ist. Wo jedoch Entscheidungsprozesse hochgradig spezialisiert und technisch vermittelt sind, wird politische Teilhabe zunehmend symbolisch. Beteiligung verschiebt sich von aktiver Mitgestaltung zu reaktiver Zustimmung oder Ablehnung. In einer Gesellschaft, die Reibung reduziert und Widersprüche nivelliert, aber Komfort systematisch steigert, wird die Bereitschaft, sich öffentlich einzubringen, geschwächt und die Bequemlichkeit gefördert.
Der wachsende Komfort kann unmerklich zur strukturellen Entmündigung der Bürger beitragen, denn die Notwendigkeit, komplexe Situationen eigenständig zu durchdenken, scheint abzunehmen. Gerade deshalb ist die Gefährdung der Demokratie so schwer wahrnehmbar und führt mit der Zeit zu einem Gefühl der Gewöhnung; gerade deshalb bedarf sie der engagierten Analyse.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis: EINLEITUNG KAPITEL I DEMOKRATIE ALS PRAXIS DER MÜNDIGKEIT 1. INFORMATIONSFÜLLE ERSETZT NICHT URTEILSKRAFT 2. MÜNDIGKEIT MUSS ERLERNT WERDEN 3. DEMOKRATIE BRAUCHT TEILHABE KAPITEL II DIE DOMINANZ DER TECHNOLOGISCHEN RATIONALITÄT 1. DIE LOGIK DER ENTLASTUNG 2. ERHÖHTE LEBENSQUALITÄT? 3. FOLGEN DER BEQUEMLICHKEIT KAPITEL III DIE KOMFORTGESELLSCHAFT 1. DIE BÜRGERINNEN ALS NUTZER 2. DIE LOGIK DES KONSUMS 3. GEWOHNTER SERVICE KAPITEL IV DELEGATION VON VERANTWORTUNG 1. DIGITALE SYSTEME ÜBERNEHMEN ROUTINEN 2. PASSIVIERUNG DER SUBJEKTE? 3. PSYCHISCHE ENTLASTUNG? KAPITEL V DIE PERMANENZ DER FLUT VON NACHRICHTEN 1. REAKTION STATT REFLEXION 2. PERMANENT VERNETZT UND STÄNDIGE REIZAUFNAHME 3. SELBSTDARSTELLUNG STATT POLITISCHER TEILHABE KAPITEL VI STRUKTUR ÖFFENTLICHER DEBATTEN 1. DISKUSSIONEN FINDEN AUF PLATTFORMEN STATT 2. SICHTBARKEIT STATT KOMMUNIKATION 3. FORMALISIERUNG STATT INHALTLICHKEIT KAPITEL VII DIE ENTLEERUNG DER SPRACHE 1. WENN WORTE IHRE BEDEUTUNG VERLIEREN 2. NEUE WORTSCHÖPFUNGEN 3. WARUM GIBT ES SO VIELE ABKÜRZUNGEN? KAPITEL VIII LIFESTYLE STATT KULTUR 1. DIE LOGIK DES MARKTES ALS POLITISCHE TEILHABE 2. WAHLKAMPF-STRATEGIEN ALS MEDIALE INSZENIERUNG 3. ARGUMENTE BLEIBEN PLAKATIV KAPITEL IX FLUCHT IN PRIVATE SPHÄREN 1.DAS SUBJEKT SUCHT SCHUTZ 2. RÜCKZUG AUS DER ÖFFENTLICHKEIT 3. EMOTIONALE RESIGNATION KAPITEL X POPULISMUS - REAKTION AUF KOMPLEXITÄT 1. DIE STUNDE DER SOGENANNTEN "FÜHRUNGSPERSONEN" 2. POPULISTISCHE REDUKTION VON ARGUMENTEN 3. SCHWARZ - WEIß - MALEREI KAPITEL XI ENTFREMDUNG UND SELBSTVERLUST 1.ENTFREMDUNG 2. BEQUEME ANPASSUNG 3. SELBSTVERLUST KAPITEL XII DIE STILLE ENTMÜNDIGUNG 1. KEIN ÄUßERER ZWANG 2. TEILHABE OHNE INHALTLICHE SUBSTANZ 3. DIE MACHT DER "EXPERTEN" KAPITEL XIII FREIHEIT IST KEINE NATÜRLICHE RESSOURCE 1. JE MEHR ENTLASTUNG DESTO WENIGER FREIHEIT 2. REDUKTION DES ERFAHRUNGSWISSENS 3. DELEGATION VON ENTSCHEIDUNGSPROZESSEN KAPITEL XIV DIE BESONDEREN AUSWIRKUNGEN DES SCHLEICHENDEN PROZESSES DER ENTINDIVIDUALISIERUNG AUF DIE KULTURINDUSTRIE 1. DAS BEISPIEL DES NS - POPULISMUS' 2. VERLUST DER INDIVIDUELLEN SICHTBARKEIT? 3. WAS GESCHIEHT MIT DER FANTASIE DER MENSCHEN? KAPITEL XV ZUM VERSAGEN DER WEIMARER REPUBLIK 1. DIE ERSTE DEMOKRATIE IN DEUTSCHLAND 2. DIE ROLLE DER PROPAGANDA 3. DAS DRAMA DES NATIONALSOZIALISMUS' 4. IST DIE DEMOKRATIE IN DEUTSCHLAND GEFÄHRDET? KAPITEL XVI MÖGLICHE GEGENBEWEGUNGEN 1. BILDUNG ALS ÜBUNG DES DENKENS 2. ZEITRÄUME SCHAFFEN ZUM NACHDENKEN 3. KOMMUNIKATIVE ÖFFENTLICHKEITSRÄUME NACHWORT LITERATUR