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5,7 Millionen Menschen in Deutschland waren Ende 2023 pflegebedürftig. Bis 2055 werden es nach der Vorausberechnung des Statistischen Bundesamts rund 6,8 Millionen sein. Mehr als drei Viertel von ihnen sind Senioren, und 86 Prozent werden zu Hause gepflegt - von Angehörigen und von Pflegekräften aus Osteuropa. Ohne diese Pflegenden zu Hause, die mit enormem Engagement und viel Liebe hilfsbedürftige Senior:innen versorgen, würde Pflege nicht funktionieren. Doch ausgerechnet diese Gruppe wird vom heute bestehenden System im Regen stehen gelassen, trotz Pflegeversicherung und trotz aller Lippenbekenntnisse der Politik und der zuständigen Verbände.
Katarina Schickling hat selbst zu diesen pflegenden Angehörigen gehört. 22 Monate lang hat sie sich um ihre gebrechliche Mutter gekümmert, gemeinsam mit Pflegerinnen aus Polen. 22 Monate voller Nähe und kostbarer gemeinsamer Momente - und 22 Monate, in denen sie fassungslos erlebte, wie mangelhaft ältere Menschen versorgt werden, sobald ihre Mobilität eingeschränkt ist. Wie Krankenhäuser alte Menschen geradewegs in die Bettlägerigkeit behandeln. Wie die Wünsche der Betroffenen nach einem Altern und Sterben in Würde ignoriert werden. Wie weit Gesetz und Wirklichkeit auseinanderklaffen.
Trotzdem ist dieses Buch keine reine Abrechnung. Es erzählt, wie es dennoch glücken kann: wie eine Mutter und ihre Tochter einander in der letzten gemeinsamen Lebensphase noch einmal ganz neu begegnen und wie aus einer Ausnahmesituation eine wertvolle Zeit wird. Und es erklärt, was Angehörige wissen müssen - vom Kampf um den Pflegegrad über die Leistungen der Pflegeversicherung bis zur Vorsorge. Mit einem Anhang voller Anlaufstellen und einer Checkliste für das Gespräch, das man mit seinen Eltern führen sollte, bevor es zu spät ist: Testament, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Zugang zu Konten und Unterlagen.
Ein persönliches, kluges und ermutigendes Buch von der Journalistin und Dokumentarfilmerin Katarina Schickling - über eine Erfahrung, die früher oder später fast jede Familie betrifft.
Katarina Schickling, Jahrgang 1967, arbeitet seit ihrem Studium der Geschichte und Amerikanistik als Journalistin und Dokumentarfilmerin. Sie ist Autorin mehrerer Bücher über Ernährung, die Herkunft unserer Lebensmittel und nachhaltigen Konsum.
Zum Thema Pflege kam sie als Betroffene: Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters kümmerte sie sich fast zwei Jahre um ihre 83-jährige Mutter und musste dabei feststellen, wie schlecht unsere Gesellschaft im Bereich der häuslichen Pflege aufgestellt ist.
Aus dieser Erfahrung heraus ist es ihr ein Anliegen, sich für einen würdevolleren Umgang mit alternden Menschen einzusetzen und dafür, dass mit den Themen Pflege und Tod menschlicher umgegangen wird.
Katarina Schickling hat zwei erwachsene Kinder und lebt in München.