Kaveh Nassirin

Heidegger, Scharlatan und Denker

Eine Innensicht. 20,8 cm / 14,0 cm ( B/H )
Buch (Hardcover), 776 Seiten
EAN 9783862591992
Veröffentlicht Juli 2026
Verlag/Hersteller Ca Ira Verlag
36,00 inkl. MwSt.
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Beschreibung

Die im Jahr 1975 begonnene und einhundertundfünf Bände umfassende Gesamtausgabe Martin Heideggers liegt bald abgeschlossen vor, und damit ist erst jetzt, 50 Jahre nach seinem Tod, eine umfassende Betrachtung von dessen Denken möglich.
Bisher hat die Außensicht auf Heideggers Schriften mittels irrtümlicher oder auch zu Zwecken der Verklärung oder Verherrlichung erstellten Etiketten und Paradigmen sichergestellt, dass die Selbst­darstellung des rätselhaften und nur einem eingeweihten Zirkel zugänglichen Grüblers bewahrt bleibt. Und auch schon Heidegger hat durch seine obsessiv-auftrumpfende Schaumsprache den Nimbus gepflegt, unverständlich, dunkel oder gar mystisch zu sein.
Im modus der phänomenologischen Introspektion lässt Kaveh Nassirin das heideggersche Denken ex novo in einem Licht erscheinen, in dem es in seinen konstituierenden Intentionen und fundamenta­len konzeptionellen Formationen transparent wird. Dabei werden ehrfurchtserheischende Dogmen der Forschung - allen voran die von Otto Friedrich Bollnow geschaffene Forscherlegende der -Kehre-, die Heideg­ger auf seinem 'Denkweg' vorgenommen habe - selbst als Verkehrungen erkenn­bar und erweisen sich, wenn nicht als unhaltbar, so doch als revisionsbedürftig.
In der phänomenologischen Innensicht zeigt sich dagegen, dass die Aporien und scheinbaren Auswe­ge, auf die Heidegger gerät, zu dessen frühem Verlangen führen, eine subjektive Ver­kündungs­herrschaft zu begründen und ein Erleben der Wahr­heit festzu­schreiben, für das es notwen­dig war, die Begriffe zu verflüssi­gen, zu verfremden oder schlicht zu verfälschen: Der stets auf Neue gezogene magische Kreis der Behauptungswelt Heideggers gründet auf einem assertorischen Funda­ment. So ist die 'Gewalt­sam­keit, die bei vie­len Heideggerschen Interpretationen auftritt', mitnichten ein 'pro­duktiver Miß­brauch', durch den die 'Analyse des Verstehens' aber nicht vermindert werde, wie Hans-Georg Gadamer meinte. Vielmehr wird deutlich, dass tatsächlich das akkurate Gegen­teil dieses verklärenden Diktums gilt: Die Umkehr der Begriffe ist der fundamentale und unver­zicht­bare modus von Heideggers Mission, ein unbegriffliches Erleben durch Begriffe zu überhöhen.
Dadurch erhält auch der alte Disput um den nazistischen Denker Heidegger eine neue Bedeutung: war ein philosophischer Reflexionsraum, der in ein nationalsozialistisches Bekenntnis führte, nur durch den modus der Umdeutungen, Verflüssigungen und Entstellungen, nur durch Verfälschungen griechischer, scholastischer und moderner philosophischer Lehren abzuheben und wird dieses Verfahren bis heute gerechtfertigt und akzeptiert, so steht der Scharlatanismus vor allen protonazistischen, antisemitischen und rassistischen Überzeugungen und Ressentiments als der Grund infrage, auf dem ein solches Denken seine erste Möglichkeit erhält.

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