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Menschen mit psychischen Störungen sind auf folgenreiche Weise von epistemischer Ungerechtigkeit betroffen. Negative Vorurteile führen zu einer ungerechtfertigten Herabsetzung ihrer Glaubwürdigkeit. Darüber hinaus beeinträchtigen starre Klassifizierungen in Diagnosehandbüchern ihre Fähigkeit, die eigenen Erfahrungen vollständig zu verstehen und zu kommunizieren.
Vor diesem Hintergrund wird die phänomenologische Psychopathologie als mögliche Methode zur Verbesserung dieser Ungerechtigkeit diskutiert. Dabei werden die phänomenologische Reduktion und die Pathologisierung innerhalb der phänomenologischen Psychopathologie kritisch hinterfragt, wodurch zwei Limitationen dieser Methode herausgestellt werden, die eine kritische intersektionale Weiterentwicklung motivieren. Es ist ein Plädoyer für eine inklusivere und respektvollere Einbeziehung der Erfahrungen von Menschen mit psychischen Störungen. Die Ausführungen ebnen den Weg zu einer (epistemisch) gerechteren psychiatrischen Praxis, die den Betroffenen auch wirklich zuhört.
Lea Nickel, geb. 05. September 2000, absolvierte im Jahr 2024 den Masterstudiengang Philosophie-Neurowissenschaften-Kognition an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Im November 2025 erhielt sie für einen Beitrag, der auf den Inhalten dieses Buches basiert, den Preis für "Philosophie und Ethik in Psychiatrie und Psychotherapie" der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Derzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Göttingen und promoviert in Philosophie zur Ethik der KI in der Medizin.
1 Einleitung 9 2 Konzeptionen epistemischer Ungerechtigkeit 12 2.1 Epistemische Ungerechtigkeit nach Fricker 12 2.1.1 Testimoniale Ungerechtigkeit 14 2.1.2 Hermeneutische Ungerechtigkeit 18 2.2 "Willful hermeneutical ignorance" als kritische Weiterführung 22 3 Kontextspezifische Analyse epistemischer Ungerechtigkeit im psychiatrischen Gesundheitswesen 25 3.1 Epistemische Aspekte im psychiatrischen Kontext 26 3.2 Diskriminierung durch Stigma und Sanismus 28 3.2.1 Definitionen und Auswirkungen von Stigma und Sanimus 28 3.2.2 Sanismus und Intersektionalität 31 3.3 Globale Faktoren epistemischer Ungerechtigkeit im psychiatrischen Kontext 34 3.4 Formen epistemischer Ungerechtigkeit im psychiatrischen Kontext 38 3.4.1 Testimoniale Ungerechtigkeit 38 3.4.2 Hermeneutische Ungerechtigkeit 44 3.4.3 "Willful hermeneutical ignorance" 46 4 Epistemische Ungerechtigkeit und phänomenologische Psychopathologie 49 4.1 Grundkonzepte der phänomenologischen Psychopathologie 50 4.2 Testimoniale Ungerechtigkeit und phänomenologische Psychopathologie 54 4.3 Hermeneutische Ungerechtigkeit und phänomenologische Psychopathologie 56 4.4 Kritische Diskussion der Limitationen von phänomenologischer Psychopathologie 60 4.4.1 Phänomenologische Reduktion und feministische Phänomenologie 60 4.4.2 Pathologisierung psychischer Störungen und die "Mad"- Bewegung 65 4.5 Phänomenologische Psychopathologie im Dialog mit epistemischer Ungerechtigkeit 69 5 Resümee 75 Literaturverzeichnis 77