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>Die Erfindung des Dritten Reichs< bezeichnet keine Leugnung historischer Tatsachen. Der Begriff >Erfindung< folgt dem Kanon dieser Buchreihe und richtet den Blick auf jene politischen, gesellschaftlichen und ideologischen Konstruktionen, aus denen eine neue Herrschaftsordnung entstehen konnte. Das Dritte Reich trat nicht unvermittelt in die Geschichte. Ihm gingen Kriegserfahrung, politische Instabilität, wirtschaftliche Erschütterungen, gesellschaftliche Verunsicherung und ein zunehmender Verlust demokratischer Bindekraft voraus. Aus zunächst voneinander unabhängigen Entwicklungen entstand allmählich eine Konstellation, in der radikale Antworten anschlussfähig wurden. Im Mittelpunkt steht deshalb nicht allein der Aufstieg Adolf Hitlers. Seine Person war wesentlich, doch sie erklärt weder das Scheitern der Weimarer Republik noch die Bereitschaft konservativer Machtträger, ihm den Zugang zur Regierung zu eröffnen. Wirtschaftskrisen, politische Fragmentierung, Angst vor sozialem Abstieg, ideologische Feindbilder, propagandistische Mobilisierung und die folgenschwere Vorstellung, einen radikalen Politiker institutionell begrenzen zu können, wirkten zusammen. Was 1933 geschah, war weder bloßer Zufall noch zwangsläufiges Ergebnis. Es war das Zusammentreffen von Bedingungen, Entscheidungen und Fehleinschätzungen, deren Bedeutung sich erst in ihrer Verbindung erschließt. Das Buch verfolgt diese Entwicklung von den politischen Erfahrungen nach dem Ersten Weltkrieg über Parteiaufbau, Machtgewinn und Entgrenzung bis zu Krieg und Zusammenbruch. Dabei bleibt die entscheidende Perspektive stets erhalten: Nicht eine einzelne Ursache schuf das Dritte Reich. Erst das Zusammenwirken vieler Kräfte machte möglich, was rückblickend so geschlossen erscheint, während es für die Zeitgenossen lange keineswegs entschieden war.
Lutz Spilker wurde am 17.2. des Jahres 1955 in Duisburg geboren.
Bevor er zum Schreiben von Büchern und Dokumentationen fand, verließen bisher unzählige Kurzgeschichten, Kolumnen und Versdichtungen seine Feder.
In seinen Veröffentlichungen befasst sich Lutz Spilker vorrangig mit dem menschlichen Bewusstsein und der damit verbundenen Wahrnehmung. Ihn fasziniert die Tatsache, dass zu jeder weiteren Sekunde neue Erkenntnisse existieren.
»Ich liebe die Sprache: Sie vermag zu streicheln, zu liebkosen und zu Tränen zu rühren. Doch sie kann ebenso stachelig sein, wie der Dorn einer Rose und mit nur einem Hieb zerschmettern.«