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Die Neuformulierung nationaler Identitäten nach 1989 fußt in Tschechien auf Narrativen, die vom Leid des 'kleinen Volkes als Spielball der Großmächte' erzählen. Nicht nur in politischen Diskursen, auch in massenmedialen, musealen und populärkulturellen Inszenierungen im Kontext der 'Achter-Jubiläen' (1918, 1938, 1948, 1968) spiegelt sich der Rekurs auf den kulturellen Nationalismus des 19. Jahrhunderts wider. Im Hinblick auf die 'samtene Revolution' 1989 ist die Erinnerungskultur hingegen stark von zivilgesellschaftlichen Protesten gegen die politische Kultur und die gesellschaftlichen Missstände geprägt. In ihrer Ethnografie spürt Marketa Spiritova den visuellen und performativen Erinnerungspraktiken anlässlich dieser Jubiläen nach.
Marketa Spiritova ist Geschäftsführerin am Institut für Volkskunde der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Privatdozentin am Institut für Empirische Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Erinnerungskultur, Nationalismus, Transformationsprozesse in ländlichen Regionen und im östlichen Europa, Protestbewegungen sowie Jugend- und Populärkulturen.