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Hose stinkt. Waschen wäre jetzt übereilt.
14. Mai 2036. M. möchte seine schwarze Hose waschen. Was früher mit Waschmittel, 30 Grad und einem Knopfdruck erledigt war, ist inzwischen ein ordnungsgemäß geregelter Vorgang.
Die Waschmaschine erkennt, dass das zulässige Jahreswaschkontingent bereits überschritten wurde. Bevor eine wassergebundene Reinigung freigegeben werden kann, müssen die Geruchsursache festgestellt, mildere Maßnahmen geprüft und der überwiegende Geruchsentstehungsort angegeben werden. Eine Außenlüftung endet mit einer Nachbarschaftsbeschwerde wegen olfaktorischer Drittbeeinträchtigung. Ein Messgerät bestätigt schließlich Geruchsklasse O4.
Doch selbst damit ist die Hose noch nicht gewaschen.
Ein zertifizierter Textile Transformation Coach empfiehlt zunächst, die persönliche Erwartung an textile Frische zu überdenken. Erst ein Härtefallantrag führt zur vorläufigen Waschfreigabe: ein Waschgang, 30 Grad, 800 Umdrehungen. Zusatzspülgang nicht zulässig.
"Der genehmigungspflichtige Waschgang" verbindet einen satirischen V.F.E.G.-Feldbericht mit der vollständig erfundenen Verordnung (EU) 2035/1842 über die Erfassung, Einstufung und nachhaltige Behandlung olfaktorischer Belastungen tragbarer Textilien.
Darauf folgt die V.F.E.G.-Studie "Die Regulierung des Privaten" . Sie rekonstruiert die Entwicklung von freiwilligen Waschempfehlungen über digitale Textilpässe und das europäische Pilotprojekt CleanWear 2034 bis zur vollständig harmonisierten Textilhygiene des Jahres 2036.
Eine Folgenabschätzung untersucht Auswirkungen auf Haushalte, Verwaltung, Wirtschaft und den neu entstandenen Beratungsmarkt. Das Bürger-FAQ beantwortet Fragen zu Geruchsklassen, Internetausfällen, gemeinschaftlich getragenen Hosen und körperbedingten Geruchsereignissen.
Der Ausblick führt schließlich ins Jahr 2040: zur Harmonisierung der Socke, zum Paarprinzip, zur dauerhaft entpaarten Einzelsocke und zum geplanten europäischen Nachverfolgungssystem EU-SOCKNET.
Eine Zukunftssatire über Bürokratie, Regulierung, digitale Verwaltung und die erstaunliche Fähigkeit moderner Systeme, aus einer einfachen Alltagshandlung ein vollständiges Verfahren zu machen.
Die im Buch dargestellte Textilgeruchsharmonisierungsverordnung und die dazugehörigen Verfahren sind frei erfunden. Reale und fiktive Quellen werden im Buch ausdrücklich voneinander getrennt.
Aus der Reihe "Die bewusste Verblödung" .
Markus Brüchler ist Autor, Verleger und seit den 1990er-Jahren selbstständig. Nach vielen Jahren zwischen IT, Programmierung, Onlinehandel, Medien und den administrativen Begleiterscheinungen unternehmerischer Tätigkeit wandte er sich dem Schreiben zu.
Neben Büchern über Film und Popkultur beschäftigt er sich zunehmend mit einer anderen Form des Horrors: Bürokratie, gesellschaftlicher Selbstwiderspruch, digitale Verwaltung, Expertenkultur und die erstaunliche menschliche Fähigkeit, einfache Dinge so lange zu optimieren, bis sie nicht mehr funktionieren.
In der satirischen Buchwelt der V.F.E.G. untersucht er deshalb jene kleinen und großen Absurditäten, die entstehen, wenn gesunder Menschenverstand auf Regelwerk, Zuständigkeit und ordnungsgemäß ausgefüllte Eingabemasken trifft. "Der genehmigungspflichtige Waschgang" entstand aus einer einfachen Frage:
Was passiert, wenn irgendwann selbst das Waschen einer stinkenden Hose reguliert werden muss?
Die Antwort umfasst überraschend viele Artikel.