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Martin Dibelius' "Jesus" bietet keine erbauliche Nacherzählung der Evangelien, sondern eine historisch-kritische Annäherung an Gestalt, Verkündigung und Wirkung Jesu von Nazareth. Im Zentrum stehen Jesu Botschaft vom Reich Gottes, seine Gleichnisse, sein Verhältnis zu Gesetz, Jüngerschaft und Eschatologie sowie die Spannung zwischen geschichtlicher Erinnerung und frühchristlicher Glaubensdeutung. Der Stil ist knapp, argumentativ und philologisch geschult; das Werk steht im Kontext der neutestamentlichen Forschung des frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere der Formgeschichte. Dibelius, 1883 geboren und 1947 gestorben, gehörte zu den prägenden protestantischen Neutestamentlern seiner Zeit. Als Heidelberger Professor untersuchte er die mündlichen Überlieferungsformen hinter den Evangelien und fragte nach ihrem Sitz im Leben der frühen Gemeinden. Diese methodische Sensibilität erklärt den Charakter des Buches: Dibelius sucht nicht romantische Innerlichkeit, sondern die geschichtlichen Konturen Jesu innerhalb jüdischer Tradition, apokalyptischer Erwartung und kirchlicher Überlieferung. Empfohlen sei dieses Buch allen, die Jesus weder dogmatisch voraussetzen noch bloß biographisch vereinnahmen möchten. Es eignet sich für Leserinnen und Leser mit Interesse an Theologie, Religionsgeschichte und Bibelwissenschaft und eröffnet einen nüchternen, zugleich eindringlichen Zugang zu einer Gestalt, deren historische Rekonstruktion immer auch die Anfänge des Christentums erhellt.
Martin Dibelius (1883 - 1947) war ein deutscher evangelischer Theologe und Professor für Neues Testament an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Dibelius' bedeutendste wissenschaftliche Leistung war die Begründung der formgeschichtlichen Methode in der Synoptikerforschung durch seine Monographie "Die Formgeschichte des Evangeliums", Tübingen 1919. Daneben schrieb er Monographien u. a. zur neutestamentlichen Ethik und Kommentare zu kleineren Paulusbriefen sowie zum Jakobusbrief.