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Konrad Baumann, 47, beseitigt beruflich, was andere achtlos vergeuden. Er denkt in Tabellen, hält Abfall für ein moralisches Versagen und versteht von Kunst so viel wie von der Rückseite des Mondes. Dann bricht er zusammen, und die Ärztin verschreibt ihm das Malen - etwas ohne Ziel, ohne Zweck, ohne Ergebnis.
Konrad, der nichts ohne Ziel kann, macht ein Projekt daraus. Und sein erstes gefeiertes Werk entsteht aus reinem Versehen: das Blatt, auf dem er die Pinsel abwischt. Eine Galeristin entdeckt es, ein Kritiker baut darauf eine ganze Ästhetik, und ehe Konrad begreift, wie ihm geschieht, hängt sein Putzlappen in der Galerie - zum Preis eines Mittelklassewagens.
Das Verstörende ist nicht der Erfolg. Es ist, dass er nicht aufzuhalten ist. Je ehrlicher Konrad beteuert, dass nichts dahintersteckt, desto tiefer verbeugt sich die Kunstwelt vor seiner Demut. Er sitzt in einer Falle, deren Wände aus seiner eigenen Wahrheit bestehen - und während ihn alle für ein Genie halten, verliert er nach und nach das Einzige, was ihm wirklich gehört hat.
Was als Satire über den Kunstbetrieb beginnt, wird zur Geschichte eines Mannes, der verlernt hat, zwecklos zu sein - und der erst ganz oben begreift, was ihm das gekostet hat. Über Arbeit und Selbstwert, über Erfolg ohne Verdienst und über die Frage, was von einem Menschen bleibt, wenn er einmal nichts leisten muss.
Martin W. Ohlerich, geboren in Frankfurt am Main und zu Hause in Siegen, ist Autor von Satiren. Hauptberuflich führt er eine Agentur für Online-Medien, Marketing und KI-Implementierung. Er optimiert also für ein Lebenswerk genau das, woran seine Romanfigur Konrad Baumann zerbricht. Diese Nähe, versichert er, ist rein zufällig.
Seit einiger Zeit malt Ohlerich selbst abstrakt. Anders als Konrad wirft er die Ergebnisse nicht weg, sondern hängt sie auf. Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied, über den dieses Buch viel zu erzählen hätte.
"Noch nicht trocken" ist sein Roman über Erfolg ohne Verdienst, über die Kunst, nichts zu wollen, und über die Frage, was eigentlich echt ist. Ein früherer Roman des Autors erschien unter dem Pseudonym Herbert Wegner.