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Ein Wohnzimmer im Plattenbau, der Ton des Westfernsehens so leise, dass man jedes Knacken der Heizung hört. In der Küche wird eine Banane in drei Teile geschnitten, damit niemand im Hausflur etwas merkt. In der Schule übt die Klasse Parolen, während ein Vater seinem Sohn eingeschärft hat, bestimmte Sätze nie laut zu sagen.
Matthias Henning sammelt solche Momente aus der ostdeutschen Provinz - Szenen, in denen ein zurückgehaltenes Wort, ein verschluckter Witz oder ein scheinbar nebensächlicher Gefallen zu kleinen Akten der Verweigerung wurden. Aus Gesprächen, Briefen, eigenen Erinnerungen und dokumentierten Alltagsbeobachtungen entsteht ein Panorama von Menschen, die weder Helden noch Täter sein wollten und doch beides ein Stück weit waren.
Familienleben, Nachbarschaft, Betrieb und Schule erscheinen als Räume, in denen Anpassung, Angst und Mut eng nebeneinander lagen. Wie erzählt man den Kindern, warum man unterschrieben hat? Wie erklärt man den Enkeln, weshalb man schwieg? Ein eigener Reflexionsteil widmet sich den Nachwirkungen dieser leisen Gesten auf die nächste und übernächste Generation - und der Frage, wie sich aus kleinen Geschichten eine ernsthafte Erinnerungskultur formen lässt, ohne bequeme Entlastung.
Ein dichtes Erinnerungsbuch über das Leben zwischen Parolen und Flüstern, über moralische Kompromisse im Alltag und über die Verantwortung, die aus ihnen bis heute erwächst.
Matthias Henning, Jahrgang 1970, wuchs in einer Kleinstadt in der DDR auf. Er erlebte seine Kindheit und Jugend zwischen Staatsparolen, kirchlichem Rückzugsraum und den unausgesprochenen Regeln des Alltags. Nach der Friedlichen Revolution arbeitete er in verschiedenen kulturellen und bildungsnahen Projekten, unter anderem zu lokaler Erinnerungskultur und ostdeutschen Biografien. Henning beschäftigt sich seit vielen Jahre mit den leisen Formen des Widerstands jenseits der großen Ereignisse. Für "Leises Nein" hat er eigene Erinnerungen mit Gesprächen, Briefen und dokumentarischem Material aus seiner Heimatregion verbunden. Er lebt in Ostdeutschland.