Michael Römer-Karrasch

Die Kolonialgebiete der Niederländer im Blickfeld deutscher Interessen im Zeitalter des Imperialismus

eBook Ausgabe. 1. Auflage
eBook (epub), 153 Seiten
EAN 9783640068753
Veröffentlicht April 2004
Verlag/Hersteller GRIN Verlag

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Beschreibung

Examensarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus, Note: 2,8, Universität Münster, Sprache: Deutsch, Abstract: Cognatio movet invidiam. 1 Erasmus (nach Aristoteles)
Ein Großteil der kolonialen Beziehungen der Deutschen zu den Niederländern kann plausibel mit oben zitierter Redewendung beschrieben werden. Während mit ,,Niederländern" heute gemeinhin die Staatsbürger der Niederlande gemeint sind, bezeichnete der Begriff in Deutschland zur Zeit des Imperialismus gleichzeitig ein deutsch-niederländisches Verwandtschaftsverhältnis. Auch der aktuelle Brockhaus von 2001 definiert Niederländer als ein germanisches Volk, das in den Niederlanden lebe und seine eigene Sprache aus dem Altniederdeutschen entwickelt hätte. Diese - nicht abzustreitende - Verwandtschaftsbeziehung konnte jenen in Deutschland willkommen sein, die Interesse daran hatten, aus einer ,,natürlichen" Verbundenheit Kapital zu schlagen. Dieses Interesse entstand, weil die Verwandten etwas besaßen, was Deutschland nicht hatte oder Deutsche glaubten, nicht in ausreichender Menge zu haben: Kolonien, bzw. Besitzungen außerhalb Europas. Als "niederdeutsche Stammesbrüder" wurden außer den europäischen niederländischen Nachbarn2 vor allem auch die Buren in Südafrika bezeichnet, die im Zuge des Südafrikanischen Krieges3 große Sympathien in Europa weckten. Versuche, diese lang zurückliegende Verwandtschaft zu instrumentalisieren, trafen auf ein Selbstverständnis der Niederländer, das historisch vom Kampf um Unabhängigkeit und Neutralität gekennzeichnet war. Schon seit dem Westfälischen Frieden 1648 waren die Niederlande eine international anerkannte Republik, und auch die Buren waren ständig um Unabhängigkeit - zunächst sogar von den Niederländern, später von den Briten - bemüht. Der Stammverwandtschaftsgedanke, der von den Alldeutschen zur politischen Ideologie entwickelt wurde, soll daraufhin untersucht werden, inwiefern er für die Politik, für die Propaganda und die politisch-psychologischen Beziehungen zwischen Niederländern und Deutschen bestimmend war. [...]
1 lat. ,,Verwandtschaft erregt Neid". Erasmus von Rotterdam, Adagia. Sammlung antiker Sprichwörter und Redensarten 1500-1536, Nr. 3759.
2 Dabei wurden auch die Belgier mit einbegriffen, deren Besitztümer in Mittelafrika Gegenstand deutschen Interesses wurden, vgl. Horst Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn - München - Wien - Zürich 42000, 102-105. Zugunsten einer breiteren Darstellung der Einflüsse deutschen Interesses an den niederländischen Kolonialgebieten auf das deutsch-niederländische Verhältnis wird auf diesen Aspekt verzichtet.

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