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In 3- Monate Fabrik-Arbeiterin verbindet Minna Wettstein-Adelt autobiographische Erfahrung, Sozialreportage und literarisch geschulte Beobachtung zu einem frühen Dokument investigativer Arbeiterinnenforschung. Aus der Perspektive der vorübergehend in die Fabrik eintretenden bürgerlichen Beobachterin beschreibt sie Arbeitsrhythmen, Lohnverhältnisse, körperliche Erschöpfung, Geschlechterhierarchien und die moralischen Deutungen, denen Arbeiterinnen ausgesetzt waren. Stilistisch steht das Buch zwischen Naturalismus, reformerischer Publizistik und ethnographischer Milieustudie. Wettstein-Adelt, Schriftstellerin, Journalistin und sozial engagierte Intellektuelle des späten 19. Jahrhunderts, schrieb aus einer Zeit heraus, in der Industrialisierung, Frauenarbeit und die sogenannte soziale Frage intensiv verhandelt wurden. Ihr zeitweiliges Eintauchen in die Fabrikwelt war kein bloßes literarisches Experiment, sondern Ausdruck eines aufklärerischen Interesses an jenen Lebensbedingungen, die der bürgerlichen Öffentlichkeit meist verborgen blieben oder nur abstrakt erschienen. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die die Geschichte weiblicher Arbeit, frühe Sozialreportage und die Vorgeschichte moderner Undercover-Recherche verstehen möchten. Es ist zugleich historische Quelle und literarisches Zeugnis: nüchtern im Blick, parteilich im humanen Impuls und bis heute aufschlussreich in seiner Darstellung sozialer Ungleichheit.