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In einer Welt, in der die Götter der Yoruba-Tradition nicht in fernen Himmeln verweilen, sondern mitten unter den Menschen wirken, entfaltet Nathalie Côté in "Wenn die Orishas tanzen" ein mitreißendes Geflecht aus uralter Mythologie und menschlicher Gegenwart. Ihre Geschichten führen tief in das Reich der Orishas - jener mächtigen Gottheiten des westafrikanischen Glaubens -, ohne dabei die Erdenschwere des Alltäglichen zu verlieren.
Im Mittelpunkt stehen Gestalten wie Shango, der Gott des Blitzes und der Gerechtigkeit, der sich dem Unrecht eines korrupten Richters entgegenstellt, oder Oya, die Herrin der Stürme, deren Priesterin Geheimnisse hütet, die selbst einen Gott innehalten lassen. Côté gelingt es auf eindrucksvolle Weise, diese überlebensgroßen Figuren greifbar zu machen - mit Zweifeln, Wut, Zärtlichkeit und einer Würde, die niemals aufgesetzt wirkt.
Besonders bemerkenswert ist die Erzählstimme der Autorin: präzise, bildstark und von einer ruhigen Intensität, die den Leser von der ersten Zeile an in ihren Bann zieht. Côté versteht es meisterhaft, das Mythische mit dem Alltäglichen zu verweben - ein alter Frau, die ihr Haus verliert, eine junge Enkelin, die trotz allem aufrecht bleibt, ein Markt, der nach Palmöl und Staub riecht. Die menschlichen Figuren stehen den Göttern dabei in nichts nach.
Diese Geschichtensammlung ist weit mehr als eine Nacherzählung von Mythen. Sie ist ein lebendiges Zeugnis einer Kultur, die westlichen Lesern oft noch fremd ist, und lädt ein zu einem Blickwechsel - weg von vertrauten Göttergeschichten, hin zu einer Welt voller Schönheit, Gerechtigkeit und leidenschaftlicher Moral.
Für alle, die mythologische Erzählungen lieben, die Tiefe besitzen, ist dieses Buch eine unverzichtbare Entdeckung.
Nathalie Côté ist eine Erzählerin, die sich der Kraft der Mythologie und des Spirituellen widmet. Ihre Arbeiten erforschen die Schnittstellen zwischen göttlicher Ordnung und menschlichem Schicksal, wobei sie sich insbesondere mit westafrikanischen und afrokaribischen Traditionen auseinandersetzt. Durch ihre Geschichten belebt sie alte Götterwelten neu und verleiht ihnen zeitgenössische Relevanz. Côté schreibt mit einer Stimme, die Tiefe und Lyrismus verbindet, um Lesern einen Zugang zu jenen Reichen zu ermöglichen, in denen das Heilige und das Alltägliche sich berühren.