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Ein mitleidloses Tal, eine weggesperrte Wahrheit und das Schicksal einer Mutter: Ein meisterhaftes historisch-psychologisches Kammerspiel aus dem alten Graubünden. Graubünden im Winter 1784. Der Wind aus dem Rätikon schneidet scharf durch das Dorf Schiers, als die siebenjährige Anna Maria ihren letzten Atemzug tut. Für den Pfarrer und die Dorfgemeinschaft ist die Tragödie im Hause Stoffel keine Fügung, sondern ein grausames Muster: Drei Kinder sind hier in sieben Jahren gestorben. Immer im Winter, immer an Fieber, und nie wurde ein Arzt gerufen. Die Beschuldigung wiegt schwer, und die vermeintliche Kindsmörderin - die kundige Kräuterfrau Margaretha Stoffel - wird im finsteren Gemeindehauskeller arrestiert. Ihr Urteil scheint längst gefällt, noch bevor das Verfahren überhaupt begonnen hat. Doch Gerichtsschreiber Kaspar Roffler weigert sich, nur das Offensichtliche zu protokollieren. Zusammen mit dem aufgeklärten Churer Stadtarzt Dr. Sprecher dringt er tiefer in die eisige Stille des Hauses vor. Hinter den akkurat geschnitzten Holzkreuzen des Vaters Rudolf Stoffel entdecken sie eine Wahrheit, für die das damalige Recht keine Sprache hat: Ein tiefer, unerbittlicher Pietismus, der weltliche Medizin als Sünde gegen Gottes Willen verdammt. Während die Justiz nach einer einfachen Schuldigen sucht, entfaltet sich das Drama einer Frau, die in den Fesseln von Ehe und dörflicher Ordnung gefangen war - und die ein unvorstellbares Wagnis einging, um wenigstens das einzige Kind zu retten, das noch zu retten war. Der Winter der drei Kreuze ist ein packendes, sprachlich geschliffenes Sittengemälde über blinden Glauben, stumme Schuld und den brutalen Kampf ums Überleben in den Schweizer Alpen. Ein literarischer Kriminalroman von ausserordentlicher historischer Präzision.
Olivia Humbald hat sich als Autorin der Aufgabe verschrieben, vergessene Kapitel der Schweizer Industriegeschichte literarisch aufzuarbeiten. Mit einem feinen Gespür für die sozialen Verwerfungen des 19. Jahrhunderts verwandelt sie akribische historische Recherchen in atmosphärische Erzählungen. Ihre Werke zeichnen sich durch eine tiefe Verwurzelung in der Schweizer Landschaft und eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen vergangener Generationen aus.