Mikropolitik und Moral in Organisationen - Oswald Neuberger

Oswald Neuberger

Mikropolitik und Moral in Organisationen

Herausforderung der Ordnung. 2. völlig neu bearb. Aufl
eBook (pdf), 635 Seiten
EAN 9783838527437
Veröffentlicht April 2015
Verlag/Hersteller UTB GmbH

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Beschreibung

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Mikropolitik - als die auf eigenen Vorteil bedachte Instrumentalisierung Anderer in organisationalen Ungewissheitszonen - wird nicht auf personale Motive oder Haltungen zurückgeführt, sondern als sowohl flexible wie konstruktive Nutzung der Widersprüchlichkeit organisationaler Steuerungsprinzipien verstanden.
Nach einem Resümee des empirischen Forschungsstandes wird dafür plädiert, die Erfassung und Differenzierung der mikropolitischen Taktiken in ein umfassendes Handlungsmodell einzubetten, das neben kognitiven Situationsrepräsentationen und Erfolgskalkülen weitere Bedingungen berücksichtigt. Mikropolitik scheint von vorneherein moralisch disqualifiziert zu sein, weil es ihr darum geht, Andere zum Mittel für eigene Zwecke zu machen.
Die Reflexion von Mikropolitik aus den Perspektiven dominierender (wirtschafts-) ethischer Positionen erweist eine solche Pauschal-Verurteilung als einseitig und fragwürdig. Mit Blick auf die Möglichkeiten organisationaler Akteure werden drei pragmatische Strategien einer moralischen Rechtfertigung und Kultivierung von Mikropolitik erörtert: moralisches Satisfizieren, Moral lernen und den Widerstreit moralischer Prinzipien aushalten und nutzen.

Portrait

Prof. Dr. Oswald Neuberger lehrte u.a. an der Uni Augsburg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Führung und Mikropolitik.

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis XIIIBelegverzeichnis XVTabellenverzeichnis XVII1. Das Konstrukt Mikropolitik:Dimensionen, Bewertungen, Abgrenzungen 11.1. Mikropolitik als polarisierendes Thema 11.2. Was ist mit Mikropolitik gemeint? 41.2.1. Einige Mikropolitik-Definitionen 51.2.2. Welche Dimensionen liegen den Mikropolitik-Definitionen zu Grunde? 91.2.3. Die zusammenfassende Definition 181.3. Polity - Policy - Politics 271.3.1. Spielregeln - Spielstrategien - Spielzüge 271.3.2. Resümee 401.4. Positive und negative Funktionen der Mikropolitik 401.4.1. Mintzberg - Klein - Ferris; POPS & PSI 451.4.2. Ist Mikropolitik pathologisch? 481.4.3. Exkurs POP-Skala Zur Operationalisierung einer Mikropolitik-Definition 511.4.4. PSI (Political Skill Inventory) 551.5. Mikropolitik als abweichendes Verhalten 591.5.1. Kontraproduktives Arbeitsverhalten 631.5.2. Extra-Produktives Arbeitsverhalten 721.5.3. Ist kontraproduktives Verhalten das Gegenteil von extra-produktivem Verhalten? 761.5.4. Die Beziehung von kontraproduktivem und extra-produktivem Verhalten zu Mikropolitik 781.5.5. Die Landschaft der Mikropolitik: Zwei Ansichten 782. Mikropolitische Taktiken und Strategien 852.1. Die Erfassung mikropolitischer Taktiken 852.1.1. Eine kurze Geschichte der Entwicklung von Taktik-Inventaren: POIS und die Folgen 852.1.2. Weitere Taktik-Inventare: Beispiele und Synopsen 902.1.3. Alternative Erfassungsmethoden 972.2. Taktiken-Mix und Strategien 1022.2.1. Taktiken-Kombinationen 1022.2.2. Strategien 1072.3. Wirkungsanalyse 1112.4. Reflexion/Kritik 1202.4.1. Methodologische und theoretische Vorentscheidungen bei der Erfassung von mikropolitischen Taktiken und Strategien 1202.4.2. Zur Rolle der Operationalisierungen: Das Beispiel 'Rationales Argumentieren' 1242.4.3. Kontextualisierung und Dekontextualisierung 1272.4.4. Alternativen zu den Taktik-Listen? Direkter und indirekter Einfluss 1322.4.5. Fiktionen beim Einsatz und der Erfassung von Taktiken und Strategien 1382.5. Fazit 1442.6. Anhang 1453. Bedingungen der Möglichkeit von Mikropolitik 1473.1. Mikropolitik: die kreative Nutzung organisationaler Spielräume 1483.1.1. Bedingungsmodelle in der mikropolitischen Forschung 154Die Berücksichtigung von Persönlichkeitsattributen 158Die Berücksichtigung des organisationalen Kontexts 1613.1.2. Überlegungen zur Merkmalsauswahl: Ein Demonstrationsbeispiel 1633.1.3. Druck machen und Einschmeicheln: Wovon hängt der Erfolg ab? 1663.2. Organisationale Ermöglichungsbedingungen mikropolitischerTaktiken 1703.2.1. Antagonismen innerhalb und zwischen Steuerungsprinzipien 1703.2.2. Vorüberlegungen zur Bedeutung von Information, Rationalität undVersprachlichung 1763.3. Organisationale Steuerungsprinzipien:Diskussion der Polaritäten 1843.3.1. Hierarchie und Autonomie 1863.3.2. Formalisierung und Improvisation 189_3.3.3. Exkurs: Einfache und doppelte Kontingenz 1933.3.4. Differenzierung und Integration 1973.3.5. Komplexität und Simplizität 1993.3.6. Kooperation und Konkurrenz 2033.3.7. Extrinsische und intrinsische Motivation 2063.3.8. Vernetzung und Vereinzelung 2113.3.9. Facta und Ficta (Faktizität und Fiktionalität) 2173.3.10. Wandel und Bewahrung 2243.3.11. Einbettung und Abgrenzung 2303.4. Zusammenfassung 2354. Komponenten eines Handlungsstruktur-Modells 2374.1. Mikropolitik aus der Perspektive einer sozialenHandlungstheorie 2384.1.1. Die dyadische Grundstruktur einer Einflusssituation 2424.1.2. Inhaltliche Erweiterung der Grundstruktur durch acht Handlungskomponenten 2464.2. Diskussion der acht Komponenten des Handlungsstruktur-Modells 2504.2.1. "Ich bin ich": Identität, ein Selbst sein 2514.2.2. "Ich bin verkörpert": Körperlichkeit, Sinnlichkeit, Materialisierung 2604.2.3. "Ich weiß": Kognition 2654.2.4. "Ich will": Interessen, Motivation 2704.2.5. "Ich kann": Kompetenzen (Fähigkeiten und Ressourcen) 2794.2.6. "Ich fühle": Emotionalität 2824.2.7. "Ich stehe in Beziehung": Vergemeinschaftung 2884.2.8. "Ich bin in Ordnung(en)": Institutionalisierung, Vergesellschaftung 2924.3. Erweiterungen: Zur Sozialisierung und Dynamisierung des Modells 2974.3.1. Erweiterung zu einem sozialen Struktur-Modell 2984.3.2. Erweiterung zu einem sozialen Handlungs-Modell 302Zur Trennung von Täter und Tat 303Zum Zusammenhang von Täter und Tat 305Der Täter als Modell und Model 308Zum Zusammenhang der Merkmale 310Weitere Handlungsaspekte (Primat der Tat, Prozessualität, Virtualisierung) 3144.4. Schlussbemerkung 3185. Die Moral der Mikropolitik 3195.1. Was heißt moralisch urteilen und handeln? 3205.1.1. Moral und Politik, Ökonomie und Ethik - sie scheinen sich zu fliehen 320Ich bin viele - die Organisation ist eine? 321Achtung: Achtung! 324Geltung und Begründung 3265.1.2. Erste Annäherung: Zwei Moral-Definitionen 331Beispiel 1: Bayertz' Moraldefinition 331Beispiel 2: Thrasymachos' Definitionen (Platon) 3325.1.3. Nächster Anlauf: Ethik-Theorien 335Eine kurze Skizze wichtiger Ethik-Theorien 336Fazit: Wider den Monotheismus der einen richtigen Ethiktheorie 3425.1.4. Wann ist eine Moralbegründung vernünftig? Warum soll sie vernünftig sein? 343Konsistenz (Stimmigkeit, Widerspruchsfreiheit) 345Universalisierbarkeit (Verallgemeinerbarkeit, allgemeine Geltung) 345Prinzipienorientierung (anstelle konkreter Problemlösungs-Ratschläge) 3485.1.5. Zu typischen Besonderheiten und Voraus-Setzungen ethischen Argumentierens 353Fiktionen und Gedankenexperimente 353Kontingenz und Handlungsspielraum 354Beschränkung des Spielraums 355Beobachtung durch Dritte 356Bewertungsmaßstäbe 356Systematische Differenz zwischen Motiv, Handlung und Konsequenz 3585.2. Ökonomie und Moral haben sich nichts zu sagen! 3605.2.1. Trennungsbeschlüsse: Plädoyers für die Eliminierung der Moral 360Wie Peter Drucker und Dieter Schneider den Moralaposteln die Leviten lesen 360Luhmanns Warnung, Nietzsches Ekel vor Moral 363Milton Friedmans Als ob 366Moral als Steuer? 367Die Klugheit des Amoralisten 369Ist Mikropolitik amoralisch oder unmoralisch? 372Im Geschäftsleben ist bluffen ethisch! Carr und seine Kritiker 374Der Fall Ford Pinto 378Zum Abschieben der Verantwortung für moralisches Versagen 3815.2.2. Dennoch: Argumente zur Rechtfertigung von Unternehmensethik 384Moral-Thematisierung als Reaktion auf gesellschaftliche Erwartungen 384Unternehmen können keine Sondermoral oder Moralfreistellung für sich beanspruchen 386Unternehmen müssen Moral liefern, weil sie nachgefragt wird 387Moral sichert Transaktionen gegen Opportunismus 389Das Herantasten an die Grenzmoral 3905.2.3. Moral als Steuerungstechnik: Ethische Praktiken im Unternehmen ("Governance Ethik") 3935.3. Moralische Rahmenordnung und amoralisches Handeln? 3965.3.1. Moral ist Kooperationsmoral 3975.3.2. Bedingungswandel statt Gesinnungswandel - Wohl-Stand statt Wohl-Wollen 4005.3.3. Dilemmastrukturen (am Beispiel des Prisoner's Dilemma Game) 408Exkurs: Spieltheorie vs. Verhandlungsanalyse (Sebenius) 4115.3.4. Die Rahmenordnung als der systematische Ort der Moral 4175.3.5. Der Grundkonflikt zwischen Rentabilität und moralischer Akzeptanz 4215.3.6. Der homo oeconomicus-Test (h-o-Test) 4245.3.7. Ökonomik als Methode 4265.3.8. Die ideale oder die reale Marktwirtschaft?Marktwirtschaft oder soziale Marktwirtschaft? 4285.3.9. Defizite der weltwirtschaftlichen Rahmenordnung 4305.4. De-Moralisierung und Re-Moralisierung der Spielregeln 4355.4.1. Ethische Neutralisierung 4355.4.2. Die Erweiterung des Zwei-Stufen-Modells zum Drei-Stufen-Modell 439Diskursethik 439Apels Re-Moralisierungsvorschlag: die Einführung einer dritten Stufe 443Fazit 4475.5. Moralische Regeln und moralisches Handeln: eine rekursive Beziehung 4495.5.1. Motto: Weg von der Rahmenordnung, hin zu den Handlungen! 449Moralmetaphern 4505.5.2. Was sind Regeln? 4525.5.3. Voraussetzungen kompetenter Regelanwendung 454Offener Anwendungskontext 455Interpretierende Regel-Anwendung 457Selektion aus dem Regelnetz 458Regelschutz 459Regeldynamik 468Rule taking und rule making 469Zwischen-Resümee zu den Bedingungen der Regelbefolgung bzw. -verletzung 4705.5.4. Regelnutzung als sozialer Prozess 472Regeln sind Machtinstrumente, Machtindikatoren und Machtgeneratoren 472Die Rolle der Dritten 473Die Anderen: Regelbefolgung als Netzeffektgüter-Produktion 476Veraltung von Regeln 4775.5.5. Zur mikropolitischen Nutzung von Regeln 477Die Funktionen von Regelbefolgung - und ihre Rückseite 479Regelhandhabungskompetenz 488Wie Regelverletzungen in Schach halten? 4915.5.6. Verflucht sei, wer das Gesetz nicht mit Leben erfüllt! Amen. 492 _5.6. Moralisches Handeln als mikropolitisches Handeln 4955.6.1. Zur Beziehung zwischen moralischem Urteilen und moralischem Handeln 4965.6.2. Relativistische Ethik: Das Jones-Tsalikis-Modell 4995.6.3. Das Gute kennen, aber nicht tun. Der Umgang mit 'Anomalien' 5045.6.4. Die Bedeutung postdezisionaler und postaktionaler Phasen 506Intervention (Änderung) 506Intra- und interpersonale Abwehrmechanismen 507Rechtfertigungen ('accounts' produzieren) 5085.6.5. Die Bewältigung von Diskrepanzen zwischen Worten und Taten, Absichtenund Ergebnissen 511Der intuitive Anwalt 513Fazit und Folgerungen 517Gewissen und gesunder Menschenverstand als Prüfinstanzen einerrelativistischen Ethik 5195.6.6. Was tun? Was tun! Drei Strategien 521 Gebrauchsmoral (moral satisficing, bounded morality) 524 Moral lernen 533 Moralisches Austarieren des pluralistischen Widerstreits 5415.6.7. Resümee 5476. Schluss 5527. Literaturverzeichnis 5598. Personenverzeichnis 5939. Stichwortverzeichnis 600

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