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Okkultes Japan untersucht die verborgenen religiösen Praktiken des späten 19. Jahrhunderts, besonders ekstatische Rituale, Besessenheit, Orakel und asketische Übungen im Umfeld des Shint- und volkstümlicher Bergkulte. Lowell verbindet Reisebericht, ethnographische Beobachtung und vergleichende Religionsdeutung zu einer Prosa, die zugleich präzise protokolliert und viktorianisch spekuliert. Im Kontext der Meiji-Zeit erscheint das Buch als frühes, heute kritisch zu lesendes Dokument westlicher Japanforschung: aufschlussreich in der Beschreibung ritueller Körpertechniken, begrenzt durch zeittypische orientalistische Deutungsmuster. Percival Lowell (1855-1916) war amerikanischer Gelehrter, Diplomat, Reisender und später berühmter Astronom. Vor seinen Marsstudien widmete er Japan mehrere Schriften und bewegte sich in Kreisen, die Sprache, Alltag und religiöse Praxis aus eigener Anschauung kennenlernen wollten. Seine Faszination für verborgene Ordnungen - ob kosmisch oder kulturell - erklärt den Impuls, Trancephänomene nicht bloß als Kuriosität, sondern als Schlüssel zur japanischen Persönlichkeit zu deuten. Empfohlen sei dieses Werk Leserinnen und Lesern der Religionswissenschaft, Japanologie und Kulturgeschichte, die historische Quellen mit methodischer Wachsamkeit lesen. Es bietet keine neutrale Gegenwartsdarstellung Japans, wohl aber ein dichtes Archiv von Beobachtungen, Begriffen und Missverständnissen. Gerade darin liegt sein Wert: als Anstoß, Religion, Wahrnehmung und Fremdbeschreibung zugleich zu befragen.