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Hadamar, Eichberg, Kalmenhof - die Namen der NS-'Euthanasie'-Anstalten sind zum Synonym für die Morde an kranken und behinderten Menschen im Nationalsozialismus geworden. Der Anstaltsträger, der Bezirksverband Nassau im Landeshaus in Wiesbaden, trieb die 'Vernichtung lebensunwerten Lebens' engagiert voran.
Durch die Tötung seiner Klientel drohte der Verband sich selbst die Existenzgrundlage zu entziehen: Ihm fehlten die Pflegegelder, aus denen seine Anstalten sich finanzierten. Die leitenden Beamten fanden jedoch Auswege aus dem 'Dilemma'. Sie heizten die Mordmaschinerie weiter an und machten das 'Euthanasie'-Programm zu einem lukrativen Geschäft für den Verband.
Diese Studie über die 'Verwaltung des Krankenmordes' stellt erstmals die Geschichte einer derart aktiv an den NS-Verbrechen beteiligten Fürsorgebehörde dar. Nicht Ärzte und Pflegekräfte, sondern Verwaltungsbeamte stehen hier im Mittelpunkt. Peter Sandner zeigt, wozu eine Behörde fähig ist, wenn sich Ideologie, Verwaltungsrationalität und Skrupellosigkeit verbinden.
Peter Sandner, Historiker (2002 Promotion in Frankfurt am Main), ist seit 1991 im Gedenkstätten- und Archivbereich tätig: Gedenkstätte Hadamar, Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (Kassel), Hessisches Hauptstaatsarchiv (Wiesbaden).
Inhalt
I. Grundlagen1. Aufgaben und Verfassung der Provinzialverbände a) Selbstverwaltung in den preußischen Provinzenb) Entstehung und Verfassung des Bezirksverbands des Regierungsbezirks Wiesbadenc) Die Fürsorge im Aufgabenspektrum des Wiesbadener Bezirksverbands
2. Weimarer Zeit a) Zwischen Demokratisierung und Beharrung b) Neue Aufgaben im Sozialwesen - veränderter Status der Selbstverwaltungc) Rheinlandbesetzung, Separatismus und Nationalsozialismus in der Weimarer Zeit
II. Nationalsozialistische Formierung1. "Machtübernahme" und Gleichschaltunga) Neue Führung b) Selbstverwaltung und Führerprinzip
2. Nazifizierung der Belegschafta) Beamte, Beamtenausbildung, Beamtenpolitik b) "Alte Kämpfer" - neues Personal
3. Ausrichtung auf die "neue Zeit"a) Nationalsozialismus im Alltagb) Wirtschaftsförderung und Kulturpflege - Beteiligung an Projekten der Zeit c) Antikirchliche Ausrichtung
III. Der Fürsorgebereich im Nationalsozialismus1. "Entkonfessionalisierung" des Anstaltswesens a) Ausschaltung der "Freien Wohlfahrtspflege" durch den Landesfürsorgeverband b) Vergebliches Streben nach einer Vorreiterrolle
2. "Rassenhygienische" Ausrichtung a) Das rassenideologische Paradigmab) "Erb- und Rassenpflege" im Bezirksverband
3. Von der Anstaltspflege zur NS-"Euthanasie"a) Das Anstaltsdezernat und die Dominanz der Verwaltung b) Auswirkungen der Sparpolitik in den Landesheilanstalten c) "Euthanasie"bestrebungen und Krankenmorde vor der "T4-Aktion"
IV. Zeit der Gasmorde 1. Verschiebung der Machtverhältnisse a) Provinzialidentität versus Reichsgaumodell b) Entmachtung des Landeshauptmanns
2. Mitwirkung bei der Vorbereitung der Gasmorde a) Einbindung der Regionen in die Vorbereitung b) Auswahl und Einrichtung der Gasmordanstaltc) Akquirierung von Personal für die "T4"-Anstalt Hadamar
3. Kooperation während der Gasmordea) Krankenverlegungen und Unterhaltung von "Zwischenanstalten" b) Die Morde in Hadamar und der Bezirksverbandc) Konfrontation mit Angehörigen und Öffentlichkeit
V. Regionalisierung und Dezentralisierung1. Konflikte und Entscheidungen im Übergang a) Anstaltsnutzung und Personaleinsatz b) Forschung, Therapie und Kindermord - die Suche nach dem "Zukunftsprojekt"
2. Regionale Krankenmordinitiativen und strukturelle Bedingungen a) Regionale Morde durch Medikamente, Überbelegung und Nahrungsentzug b) Die Verwaltung und das Hungersterben
3. Dezentrale Krankenmordaktion mit zentraler Koordinationa) Neue Mordaktion in Hadamar in Kooperation mit "T4" b) Das System der Verlegungen in die Mordanstalt
4. Expansion, Eskalation, Elimination a) Der Fürsorgebereich und die Ermordung der "Zöglinge"b) Der Gauleiter als Behördenchef und die Morde an Zwangsarbeitern