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Ob Erziehungstipps und Modeinspirationen, Rezeptideen, Lieblingscafés oder originell inszenierte Kindergeburtstage: Auf ihren Blogs entwerfen Mombloggerinnen digitale Bilder eines >authentischen< Mutteralltags. Sie verarbeiten und vermarkten persönliche Erfahrungen und Erlebnisse als Mütter ästhetisch und machen Mutterschaft auf diese Weise zum Ausgangspunkt ihrer beruflichen Tätigkeit. Die ethnografische Kulturanalyse von Petra Schmidt gibt Einblicke in die ästhetische Arbeit von Mombloggerinnen aus der sogenannten Creative Class. Vor dem Hintergrund maternaler Leitbilder beleuchtet sie Motive und Repräsentationen von Mompreneurs, Facetten ästhetischer Arbeitspraktiken sowie Ambivalenzen, die entstehen, wenn Mutterschaft im Rahmen postfordistischer Erwerbslogiken zur >authentischen< Ware wird. Die Studie leuchtet aus, inwiefern Mütter in einer Ökonomie der Sinne versuchen, Arbeit und Care-Alltag kreativ zu vereinbaren, um sich und den Status Mutterschaft gesellschaftlich stärker zu positionieren - durch die Suche nach maternaler Selbstverwirklichung und Professionalisierung, die Inszenierung von Authentizität, die Bildung von Konkurrenzdruck und Solidarität sowie das Ausloten von Grenzen des Selbstvermarktens und der Vermarktung anderer.
Petra Schmidt, Dr. phil., war bis 2024 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist derzeit an der Katholischen Universität Eichstätt/Ingolstadt beschäftigt.
Einleitung 1.Zur Kulturanalyse der Mombloggerin 1.1Das Momblogging: ein kulturelles Phänomen und seine Kontexte 1.1.1Vom Personal Blog zum kommerziellen Momblog 1.1.2Kennzeichen des Mombloggings 1.1.3Familienpolitische Debatten und weitere Einflüsse des Mombloggings 1.2Erwerbsorientierte Mutterschaft in der Forschung 1.2.1Interdisziplinäre Forschungen über (Mom-)Blogs 1.2.2Ästhetisierung des Alltags und der Arbeit 1.2.3Riskante Chancen digitaler Mikro-Unternehmerinnenschaft in der Kreativarbeit 1.3Theoretischer Rahmen 1.3.1Konzepte eines erweiterten Arbeitsbegriffs 1.3.2Entgrenzung und Subjektivierung der Arbeit 1.3.3Arbeiten in der Kultur- und Kreativwirtschaft 1.3.4Ästhetik und ästhetische Arbeitspraktiken 1.3.5Doing Motherhood 1.3.6Leitbilder um Mutterschaft 1.4Erheben, Analysieren, Darstellen 1.4.1Zugang, Quellen, Sample 1.4.2Methoden der Datenerhebung - Interviews, teilnehmende Beobachtung, Medienethnografie 1.4.3Analyse - Praxisanalyse und Grounded Theory 1.4.4Reflexionen zur Forscherinnenrolle 1.4.5Forschungsdatenmanagement 2.Mompreneurs - Motive und Repräsentationen unternehmerischer Mutterschaft 2.1Ein kreatives Vorbild für andere sein 2.2Ideen verwirklichen und Dinge selber machen 2.3Sich durch Projekte weiterentwickeln 2.4Selbstbestimmt sein 2.5Sich durch Mutterschaft weiterentwickeln 2.6Spaß bei der Arbeit haben 2.7Zwischenfazit: Das kreative Ethos der Mompreneur 3.Erwerbslogik des Influencer-Marketings und Ökonomie der Aufmerksamkeit 4.Momblogging - Facetten ästhetischer Arbeitspraktiken 4.1Identifizierung von Content und das notwendige ästhetische Know- how 4.2Medienarbeit - Posts und die Pflege eines Netzwerks 4.2.1Posts erstellen und intuitiv arbeiten 4.2.2Diversität in Netzwerken erstellen 4.3Singuläre Mütterbilder und Objekte erschaffen 4.3.1Neudefinieren und Dekontextualisieren 4.3.2Neukreieren und Inszenieren 4.3.3Erkennen und Hervorheben 4.3.4Selbermachen, sampeln und spielen 4.4>Echtheit< erzeugen, inszenieren und kuratieren 4.4.1»Wir müssen unser Naturell bewahren« 4.4.2Vertrauen erzeugen und Advertorials produzieren 4.4.3Spontanität inszenieren 4.4.4Den privaten Wohnraum kuratieren 4.5Zwischenfazit: Praktiken der Authentifizierung 5.Die Mombloggerin im Spannungsfeld zwischen öffentlicher Arbeit und Intimität, Kommodifizierung und Selbstverwirklichung 5.1Ist das überhaupt Arbeit? - Abwertungsdynamiken und Legitimationsstrategien 5.1.1Sich abgrenzen von der >Laien-Hausfrau< und Influencerin 5.1.2Mit »Nichts« Geld verdienen? Aufwands- und Entlohnungsgerechtigkeit 5.2So viel wie nötig und so wenig wie möglich - Intimsphäre und Kinder als Content 5.2.1»Man filtert natürlich schon raus, was man preisgibt« - Praktiken der Anonymisierung 5.2.2Intimitätsgrenzen ökonomisch neu ausloten - zwischen Anpassung und Widerstand 5.2.3»Wir sind ein Familienbetrieb« - Konflikte und Argumente mit Kindern zusammenzuarbeiten 5.2.4Zwischenfazit: Anspruchsvolles Grenzmanagement 5.3Werbekooperationen - Vertrauen schaffen und Produkte ethisch rahmen 5.3.1Kohärent zum Lebensstil bloggen 5.3.2Ethisch kooperieren und nachhaltige Produkte empfehlen 5.3.3Zwischenfazit: Bloggen als Lebenskunst 5.4Riskante Chancen der Selbstverwirklichung 5.4.1»Für uns ist das eine Visitenkarte« - Selbstverwirklichung und materielle (Un-)Abhängigkeit 5.4.2Logiken der Selbstoptimierung 5.4.3Empowerment durch Resonanz? 5.4.4Zurückgeworfen sein auf das Selbst 6.Momblogging - ein vorläufiges Fazit 6.1Maternale Repräsentationen und die (Re-)Produktion struktureller Ungleichheit 6.2Ästhetisierung als vergeschlechtlichte Praxis - >Intuitiv< und nichtkommerziell performen 6.3Maternale Selbst- und Fremdbestimmung in der Ökonomie der Sinne Dank Literatur Quellen Tabelle Abbildungen