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Die Körperdiskurse in der Gegenwart sind vornehmlich naturwissenschaftlich ausgerichtet. Dagegen konstruiert Rainer Guldin in einem kritischen Wörterbuch eine poetische Vision des menschlichen Leibes. In dieser Vorstellung wird der Leib nicht als ein funktionstüchtiges Ganzes verstanden, sondern als ein offenes Netz innerer Korrespondenzen, das von vielfältigen mehrdirektionalen Austauschbewegungen belebt wird. Dazu versammelt er neben Roland Barthes, Hubert Fichte, Michail Bachtin, Thomas Laqueur und Hans Bellmer auch die dem Surrealismus nahestehenden Stimmen Georges Batailles und Michel Leiris'. Zahlreiche Abbildungen, die von Hieronymus Bosch und Matthias Grünewald, bis Magritte und Man Ray reichen, ergänzen das »Körperalphabet« und zeigen, dass der Leib auch spielerisch erfasst werden kann.
Rainer Guldin (Dr. phil.), geb. 1954, ist ehemaliger Professor für deutsche Kultur an der Università della Svizzera italiana in Lugano (Schweiz). Er ist Editor-in-Chief des seit 2005 publizierten multilingualen Open-Access-Journals »Flusser Studies«. Seine Forschungsschwerpunkte sind Körperdiskurse, Metaphertheorie, Mehrsprachigkeit und Übersetzung.