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Seit Jahrzehnten belastet der Umgang mit dem Genozid an den Armeniern die deutsch-türkischen Beziehungen. Der Streit über Anerkennung und Leugnung wirkt bis in das Verhältnis der türkischstämmigen Bevölkerung zur deutschen Mehrheitsgesellschaft hinein. Das Buch beleuchtet die historischen Hintergründe des Konflikts und seine Bedeutung für Gegenwart und Zukunft. Im Mittelpunkt steht die Rolle des Deutschen Reiches während des 1. Weltkriegs. Obwohl das Ausmaß der Geschehnisse bekannt war, schritt das Deutsche Reich als türkischer Waffenbruder nicht dagegen ein und wurde so zum Komplizen des Genozids. Reiner Möckelmann untersucht diese Haltung und arbeitet die daraus erwachsende politische und historische Verantwortung Deutschlands heraus. Der Bundestag hat den Genozid 2016 anerkannt, während die türkische Regierung bis heute an der Leugnung festhält. Außenpolitisch entsteht daraus ein dauerhaftes Spannungsverhältnis. Innenpolitisch können der Einfluss türkischer Parteien und die Weitergabe eines von Leugnung geprägten Geschichtsbildes Konflikte mit der Mehrheitsgesellschaft verstärken. Der Autor plädiert deshalb für eine offene Erinnerungs- und Gedenkpolitik, die historische Verantwortung anerkennt, Aufklärung ermöglicht und damit einen Beitrag zu Verständigung, gegenseitigem Respekt und gesellschaftlichem Zusammenhalt leistet.
Reiner Möckelmann, geb. 1941, Diplomvolkswirt, war für das Auswärtige Amt u.a. in Ankara und Istanbul tätig. Er publizierte über das türkische Exil von Ernst Reuter, den NS-Botschafter Franz von Papen in Ankara sowie die Flucht von Juden aus Südosteuropa über Istanbul nach Palästina. Er lebt in Berlin.