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Am toten See entfaltet einen Kriminalfall in einer von Schweigen, Landschaft und sozialer Spannung beherrschten Umgebung. Kohlrausch verbindet die Mechanik des Detektivromans - Indiz, Verstellung, Enthüllung - mit der atmosphärischen Dichte des bürgerlichen Erzählens um 1900. Der "tote See" wirkt dabei nicht nur als Schauplatz, sondern als Symbol einer erstarrten Ordnung, unter deren Oberfläche Schuld, Begehren und Angst fortwirken. Stilistisch zeigt der Roman eine klare, erzählerisch kontrollierte Prosa, die Spannung aus Beobachtung und psychologischer Andeutung gewinnt. Robert Kohlrausch gehörte zu jener Generation deutschsprachiger Autoren, die populäre Erzählformen mit zeitgenössischen Fragen nach Moral, Recht und gesellschaftlicher Reputation verknüpften. Seine Nähe zur Presse- und Unterhaltungskultur schärfte offenbar den Blick für öffentliche Sensationen, private Geheimnisse und die dramaturgische Kraft des Verdachts. Aus diesem Erfahrungsraum erklärt sich ein Kriminalroman, der weniger bloße Rätselübung als Analyse menschlicher Motive ist. Empfohlen sei Am toten See Leserinnen und Lesern, die frühe deutschsprachige Kriminalliteratur nicht nur als Vorstufe moderner Spannungsliteratur, sondern als kulturhistorisches Dokument lesen möchten. Wer an präziser Milieuzeichnung, behutsam gesteigerter Suspense und moralischer Ambivalenz interessiert ist, findet hier ein bemerkenswertes Beispiel für die literarische Ausgestaltung von Schuld und Aufklärung.
Robert Kohlrausch (1850 - 1934) war ein deutscher Architekt und später Journalist und Autor von Kriminalromanen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Kohlrausch wurde Redakteur beim Hannoverscher Courier. Sein Debütroman 1901 trug den Titel Das Haus der Witwe, dem 1903 eine Parodie auf Sherlock Holmes, In der Dunkelkammer, folgte. Sein Werk Deutsche Denkstätten in Italien erlebte mehrere Auflagen. Diesem folgten weitere Bände zur Herrschaft germanischer Fürsten und deutscher Kaiser in Italien.