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In seinem philosophischen Hauptwerk von 1940 unternimmt R. G. Collingwood den ambitionierten Versuch, die Metaphysik als eigenständige und unverzichtbare Wissenschaft neu zu begründen. Entgegen der zu seiner Zeit vorherrschenden Auffassung, Metaphysik sei entweder Ontologie des reinen Seins oder bloße Spekulation, definiert Collingwood sie als historische Wissenschaft der absoluten Voraussetzungen, die allem Denken - dem wissenschaftlichen wie dem alltäglichen - zugrunde liegen. Collingwood entwickelt eine präzise Theorie absoluter und relativer Voraussetzungen, grenzt die echte Metaphysik scharf von Pseudometaphysik ab und unterzieht die großen anti-metaphysischen Strömungen des 19. und 20. Jahrhunderts (Psychologismus, Positivismus, Irrationalismus) einer grundlegenden Kritik. Anhand zentraler Beispiele aus der Geschichte der Wissenschaft - besonders Aristoteles, Kant, Newton und der modernen Physik - zeigt er, wie metaphysische Voraussetzungen den Fortschritt und die Krisen der Wissenschaften bestimmen. Die Schrift ist zugleich eine scharfsinnige Diagnose der intellektuellen Krisen des modernen Denkens und ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, die Metaphysik als historische Wissenschaft wieder ernst zu nehmen. Sie gehört zu den originellsten und anregendsten Beiträgen zur Philosophie des 20. Jahrhunderts.
R. G. Collingwood (1889-1943) war ein englischer Philosoph, Historiker und Archäologe. Er lehrte als Waynflete Professor of Metaphysical Philosophy in Oxford und gilt als einer der originellsten Denker des 20. Jahrhunderts. Collingwood verband in seinem Werk philosophische Reflexion mit historischer und archäologischer Praxis. Zu seinen wichtigsten Werken zählen The Principles of Art (1938), The Idea of History (posthum 1946) und vor allem An Essay on Metaphysics (1940), sein philosophisches Hauptwerk. In ihm entwickelte er eine radikal neue Konzeption der Metaphysik als historische Wissenschaft der absoluten Voraussetzungen. Bereits schwer erkrankt, diktierte er dieses Buch unter großem Zeitdruck. Es blieb sein letztes größeres philosophisches Werk.