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Software-Entwicklung ist fragil. Fehler im Code, die ökonomische Verwertung von Softwarearbeit und die Herausforderung, eine Belegschaft mit einem gemeinsamen Selbstverständnis zu formen, durchziehen den Arbeitsalltag eines Unternehmens gleichermaßen.
Wie begegnen die Menschen in ihrer Erwerbsarbeit dieser Fragilität? Die vorliegende ethnografische Studie eines Softwareunternehmens zeigt, dass Programmierwerkzeuge, Projektmanagementstrukturen, detaillierte Arbeitszeiterfassung, partizipative Formate oder kollektiv ausgehandelte Firmenwerte weit mehr sind als bloße Arbeitsmittel: Als Elemente von Konnektivität ermöglichen sie, Wissen zu explizieren, zu aktualisieren, zu fixieren und zu teilen - um so Verbindungen zwischen Menschen, Praktiken und Infrastrukturen herzustellen.
So entsteht eine hochkollektivierte Form von 'New Work', in der Subjektivierung und Identifikation untrennbar verwoben sind und als Strategie der Kohäsion wirken. Narrative von Expertise als stete Selbstvergewisserung stärken den Zusammenhalt und stabilisieren die fragilen Verbindungen im Arbeitsalltag des Unternehmens - solange das gemeinschaftlich gesponnene, konnektive Netz in der Praxis aufrechterhalten wird.
Roman Tischberger, Dr. phil., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Volkskunde der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München.
1.Einleitung 2.Arbeitskulturen der Software-Entwicklung erforschen 2.1 Stand bisheriger Forschungen und Erkenntnisinteresse dieser Studie 2.1.1 Arbeit und Erwerbsarbeit zwischen Volkskunde und Empirischer Kulturwissenschaft 2.1.2 Ethnografische Studien zu Arbeitskulturen in der Kreativ- und Dienstleistungsbranche 2.1.3 Erwerbsarbeit in informatischen Kontexten 2.1.4 Software als kulturelles Phänomen und die Praxis ihrer Herstellung 2.1.5 Identifizierte Forschungslücken und Erkenntnisinteresse 2.2 Feldzugang und Methodik 2.2.1 Wahl des Untersuchungsgegenstands und Zugang zum Feld 2.2.2 Erkenntnismodus der ethnografischen Feldforschung und die Konstruktion des Feldes 2.2.3 Teilnehmende Beobachtung 2.2.4 Qualitative Interviewgespräche 2.2.5 Analyse und Auswertung der Daten 2.3 Positionierungen 2.3.1 Gütekriterien und methodische Kontrolle der Datenerhebung 2.3.2 Schreiben als machtvolle (Re-)Präsentationspraktik 2.3.3 Reflexion der eigenen Rolle 2.4 Begriffliche Grundlagen und theoretische Einbettung 2.4.1 Software zwischen klaren Befehlen und notwendiger Eindeutigkeit 6 Inhalt 2.4.2 Konnektivität - theoretische Einführung in einen Schlüsselbegriff 2.4.3 Perspektiven auf Arbeitskulturen - von Unternehmenskultur- Debatten bis zu New Work 2.5 Die Firma - Einführung ins Feld 3.Problemstellungen - Software, Code und Fehlerpotenziale 3.1 Empirische Einführung I - Programmieren mit Flo 3.2 Empirische Einführung II - gemeinsames Aushandeln der Spezifikationen 3.3 Fehler und Wissen im Prozess der Softwarearbeit 3.3.1 Vom Potenzial zur Manifestation - Fehlerzustände in der Software-Entwicklung 3.3.2 Zum Begriff des Wissens - theoretische Perspektiven 3.3.3 Wissen und Nicht-Wissen als Kern von Softwarearbeit - strukturelle Konsequenzen 4.Konnektive Lösungen zur Wissensverteilung in der Arbeit am und um den Code 4.1 -Irgendwas vergisst man immer. Aber zum Glück geben unsere Frameworks eine ausführliche Angabe, was wo fehlt- - Konnektivität in der Arbeit 'am Code' 4.1.1 Sascha und die Software-Tools - Wissensverteilung durch Werkzeuge 4.1.2 Pauline baut ein Sicherheitsnetz - Probieren geht über Kopieren 4.1.3 Dennis sucht Rat - Refactoring und Hilfestellung aus der Online-Community 4.2 Agile Methoden als konnektive Wissenspraktiken in der Arbeit 'um den Code' 4.2.1 Scrum-Theorie - die soziale Rahmung des Projektmanagement-Prozesses 4.2.2 Der 'agile turn' als Effekt des Postfordismus 4.2.3 Scrum-Praxis - Daily, Review und Sprint Planning als zentrale Versammlungen in der Arbeit 'um den Code' 4.2.4 Retrospektiven als Format der De-/Stabilisierung alltäglicher Ordnungen 4.3 Diskonnektivität und die stete Stabilisierung von Wissen in der Softwarearbeit 4.3.1 Teamdynamiken - Unterbrechungen in der Wissensverteilung 4.3.2 Personelle Veränderungen und Destabilisierung von Wissen 5. Geschäftsmodell Software - wirtschaftliche Stabilisierung durch Selbst- Vermessung 5.1 Zwischen Vertrieb und Vertrag - organisatorische Rahmungen eines Softwareprojekts 5.2 Zeit und Geld - die Datafizierung von Arbeit und der Einfluss des Controllings 5.3 'Öfter -das Richtige- tun!' - Selbstmanagement durch Transparenz von Controlling-Daten 5.4 Konnektivitäten als Faktoren ökonomischer Stabilisierung 6. Unternehmenskultur und Identifikation 6.1 'Agilität' und 'Selbstorganisation' als Fundamente der Unternehmenskultur 6.2 Communities als Labore und Gestaltungsspielräume 6.3 Teil der Firma werden - Bewerbung und Einführung ins Unternehmen 6.3.1 Bewerbung als Prozess - das Recruiting 6.3.2 Zwischen Identifikationsfläche und Angleichung - das Mentoring-System der Belegschaft 6.4 Die Firma, ihre Werte und die Konstruktion von 'Wir' 6.4.1 Wer wollen wir sein? Aushandlung von Firmen-Werten im Workshop 6.4.2 Wir wollen 'wer' sein! Werte, Gemeinschaft und die machtvolle Konstruktion eines Gefühls 6.5 Kollektive Identität und konnektive Unternehmenskultur 7. Kulturen der Konnektivität - Narrative von Expertise und Strategien der Stabilisierung Anhang Abkürzungen Literatur Quellen Internetdokumente Zitierte empirische Forschungsdaten Abbildungen Glossar Dank