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In einer Welt, in der der Nebel nie ganz weicht und das Schweigen schwerer wiegt als jedes gesprochene Wort, liegt Sankt Joder - eine vergessene Kolonie am Rand der bekannten Erde. Serhan Demirkols Debütwerk versammelt sieben Geschichten aus diesem düsteren Ort, der sich wie ein Organismus anfühlt: lebendig, misstrauisch und von einer Vergangenheit durchdrungen, die niemand aussprechen will.
Im Mittelpunkt stehen Menschen an der Grenze ihrer Möglichkeiten. Priester, die mit ihrem Glauben ringen. Kolonisten, die etwas hinter sich gelassen haben - oder die etwas nicht loslässt. Gestalten, die mit einem Fuß in der Welt der Lebenden stehen und mit dem anderen irgendwo anders. Demirkol erzählt ihre Geschichten mit großer sprachlicher Sorgfalt: jede Geste bedeutsam, jedes Detail ein stilles Versprechen an den Leser.
Was diesen Erzählband auszeichnet, ist die ungewöhnliche Atmosphäre. Die Prosa ist dicht und bedächtig, von einer mittelalterlichen Schwere, die nie in Klischee verfällt. Der Autor schreibt mit historischem Gespür, ohne historischen Roman zu schreiben - das Vergangene ist hier Kulisse und innere Wahrheit zugleich. Das Böse zeigt sich nicht mit Klauen und Schreien, sondern im schiefen Wegweiser, im milchigen Auge eines Mannes, im Tor, das sich ohne Knarren öffnet.
Wer die Literatur des langsamen Grauens liebt - wer bereit ist, auf etwas zu warten, das sich vielleicht niemals ganz zeigt - wird in "Die Vergessenen von Sankt Joder" eine Entdeckung machen.
Serhan Demirkol ist ein Autor, der sich der atmosphärischen Erzählkunst verschrieben hat. Mit einem Fokus auf psychologische Tiefe und düstere Weltenbau erforscht Demirkol in seinen Werken die Grenzbereiche zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Seine Geschichten zeichnen sich durch präzise Beobachtungen menschlicher Abgründe und einer packenden, bildreichen Sprache aus. Demirkol lebt zurückgezogen und widmet sich intensiv seinen literarischen Projekten. Seine Werke richten sich an Leser, die atmosphärisch dichte, verstörende Narrative schätzen.