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Die Geschichte der deutschsprachigen Publizistik war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Abenteuergeschichte mit vielen Geheimnissen. Sie wird in diesem Buch aus der Perspektive von >Medienlegenden< erzählt, die in Memoiren ihr Leben in jener Zeit beschrieben haben. Viele von ihnen hatten jüdische Wurzeln; schon bald nach Hitlers Machtergreifung mussten sie emigrieren. Publizist:innen mit >Arier-Nachweis< konnten hingegen während des >Dritten Reichs< weiter publizistisch aktiv bleiben. Ihre Bekenntnisse und Geständnisse führen zu Erkenntnissen über die Themen >Schuld< und >Vergessen<, die uns im Moment wieder besonders stark beschäftigen müssen. Intensiv >beim Wort genommen< werden in dieser Studie insgesamt 36 deutsche Medienlegenden, darunter Alfred Kerr, Theodor Wolff, Curt Riess, Hans Habe und Georg Stefan Troller sowie Gabriele Tergit, Stéphane Roussel und Hilde Spiel - alle mit jüdischen Wurzeln. Zu den Deutschen, die Diener des Systems gewesen waren und nach dem Krieg, als sie (weiter) zur Medienprominenz gehörten, wenig selbstkritisch oder sogar lügnerisch mit ihrer Vergangenheit umgingen, zählen Friedrich Sieburg, Karl Korn, Walter Henkels, Henri Nannen, Fritz Sänger, Margret Boveri und Elisabeth Noelle. Auch die Nebenrollen sind in diesem Buch über >Medienlegenden< prominent besetzt - mit Personen der Zeitgeschichte aus Politik, Kunst und Wissenschaft wie Rathenau und Stresemann, Brecht, Kafka, Schönberg und Furtwängler sowie Röntgen, Cassirer und Adorno.
Dr. Siegfried Weischenberg: Jg. 1948, Studium Soziologie/Geschichte/Publizistik Ruhr-Universität Bochum, Promotion; Volontariat/Redakteurstätigkeit, Bundesvorsitzender Deutscher Journalisten-Verband (ehrenamtl.); langjährige Lehrtätigkeit als Professor für Kommunikationswissenschaft/Journalistik im In- und Ausland. Forschungsschwerpunkte und Publikation von zahlreichen Büchern zu den Themen: Theorie und Praxis des Journalismus, Systemtheorie/Konstruktivismus, Politische Kommunikation, Max Webers Mediensoziologie, Geschichte der Publizistik.
I.>Mein Leben<: Erinnertes und Erdichtetes II.Jüdische Wurzeln: Verfolgung und Vertreibung Alfred Kerr - Der verhasste Kritiker und Sprach-Künstler Friedrich Stampfer und Theodor Wolff - Zwei politische Journalisten und ihre Emigration Stefan Großmann - Der Romantiker aus dem Branntweinladen Willy Haas - Ein wirklicher Freund der literarischen Welt Gabriele Tergit und Immanuel Birnbaum - Ein Jahrgang und zweimal Max Weber Hans Sahl - Allrounder, dichtender Moralist und Fluchthelfer im Exil Stéphane Roussel - Dauergast im Frühschoppen: die >Grande Dame< Curt Riess - Der Sportreporter und Goebbels-Biograf Hans Habe - Achtzehn Zeitungen und sechs Ehefrauen Hilde Spiel - Eine moderne Frau und sensible Essayistin Henry R. Cassirer - Aus der Odenwald-Idylle in die weite Welt Marcel Reich-Ranicki - Das Publikum (und sich selbst) im Blick Georg Stefan Troller - Der Flaneur und seine >Menschenfresser-Interviews< Gerhard Löwenthal und Ralph Giordano - Ein Rechtsausleger und ein Linksausleger III.>Zweite Schuld<: Verschweigen und Verdrängen Fritz Sänger - Der mutige Mitschreiber und sein Loch im Lebenslauf Friedrich Sieburg - Der eitle >Richard Tauber des Journalismus< Karl Silex, Paul Scheffer und Rudolf Kircher - Drei Chefredakteure und der >graubraune Widerstand< Margret Boveri - >Innere Emigration<, Bewusstsein - und die Wirklichkeit Karl Korn - Garten und Feld - und die Tarnung >zwischen den Zeilen< H. H. Stuckenschmidt - >Zum Hören geboren<: ein Lobbyist der Neutöner Sebastian Haffner - Der Beginn der Nazi-Ära - Anmerkungen aus dem Exil Axel Eggebrecht - Ein Agnostiker und sein gesunder Menschenverstand Walter Henkels und Henri Nannen - Vom PK-Kriegsberichter zur >Medienlegende< Elisabeth Noelle und Helene Rahms - Frauen im >Trojanischen Pferd< des Dr. Goebbels Hans-Georg v. Studnitz und Ursula v. Kardorff - Adel verpflichtet - aber nicht in jedem Fall und überall Erich Kuby - Deutsche Patrioten und der Mann, der alles aufschrieb Felix v. Eckardt und Günter Diehl - Auf >krummen Wegen< zu Schlüsselrollen in Bonn IV. Erträge des >unerforschten Rests<. Ein Nachwort von Ulrich Pätzold Literatur Personenregister