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Bis heute möchte kaum jemand im Westen die eigene Mitverantwortung am Scheitern der Weltordnung wahrhaben - und daran, wie man selbst zur Lagerbildung beigetragen hat.
Im vierten und vorerst letzten Teil der Chroniken der Neuen Weltunordnung rückt der große Systemkonflikt unserer Zeit ins Zentrum: der Aufstieg Chinas und der schleichende Zerfall amerikanischer Weltherrschaft. Zwei Mächte, untrennbar wirtschaftlich verflochten - und doch in einem Gefangenendilemma gefangen, das zum großen Krieg führen könnte.
Während die Globale Finanzkrise 2008 das brüchige Fundament amerikanischer Dominanz offenlegte, zog China unbeeindruckt seine Figuren in Stellung: Belt and Road, RCEP, eigene Zahlungssysteme, eigene globale Institutionen. Peking forderte seinen Platz an der Sonne - und Washington verweigerte ihn mit aller Macht und wachsender Paranoia.
Doch der Riss verläuft nicht nur zwischen den Großmächten. Er zieht sich mitten durch die westlichen Gesellschaften selbst. Eine Deindustrialisierungswelle verwüstete Amerikas Rust Belt - ähnlich wie zuvor Russlands Red Belt. Verzweiflung, Vertrauensverlust und Populismus füllten das Vakuum. Auf Obama folgte Trump - kein Zufall, sondern eine systemische Konsequenz des Versagens einer Ordnung, die ihre eigenen Verlierer vergaß.
Zugleich verliert der Westen den Globalen Süden: Länder, die westliche Doppelmoral - Freihandel für uns, unüberwindbare Schutzwälle für euch - längst durchschaut haben und sich längst neue Partner gesucht haben.
Wo stehen wir heute? Die Chroniken liefern keine beruhigenden Antworten. Aber sie zeigen, dass die durch die Globalisierung geschaffenen Weltmärkte widerstandsfähiger sind, als ihre Totengräber glauben - und dass wir vielleicht Zeugen der Geburtsschmerzen von etwas völlig Neuem sind.
Simon Kiwek, geboren und aufgewachsen im beschaulichen Oberösterreich, unternahm nach mehreren Jahren als Logistiker ausgedehnte Reisen, die in auf dem Fahrrad und im Kanu von Kanada über ganz Osteuropa, den Balkan, den Nahen Osten bis hinunter nach Afrika führten.
Danach kehrte er zurück und studierte Volkswirtschaft an den Universitäten Graz und Göttingen mit einem besonderen Schwerpunkt auf Entwicklungs- und Schwellenländer. Seither beschäftigt er sich beruflich intensiv mit wirtschaftlicher Forschung und Innovation, Entwicklungs- und Industriepolitik auf einem globalen Level, insbesondere Afrika, dem arabischen Raum und Osteuropa und ihrer Rolle in einer globalisierten Weltwirtschaft.
Neben seinen Büchern führt er einen Blog: www.geoeconomicforum.com