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Liebe Leserinnen und Leser, schreiben Sie auch so gerne To-do-Listen? Stellen sich Erinnerungswecker für die nächsten Arzttermine? Und notieren sich sicherheitshalber noch mal, dass die Kollegin morgen Geburtstag hat? Mein Smartphone ist voll mit derartigen Notizen. Ich möchte nichts vergessen, und doch frage ich mich manchmal, ob ich meinem Gedächtnis mit all diesen kleinen Hilfsmitteln nicht schade. Diese Frage entsteht wohl auch deshalb, weil wir Erinnern oft mit Leistung gleichsetzen - und Vergessen mit Versagen. Dabei ist das Vergessen in einer Zeit, in der wir mit Aufgaben, Eindrücken und Informationen überschüttet werden, eine Grundvoraussetzung dafür, dass unser Gehirn gesund funktioniert. Es ist kein Makel, sondern ein notwendiger Mechanismus, der uns hilft, die Flut der Eindrücke zu ordnen und handlungsfähig zu bleiben. Tatsächlich arbeitet unser Gehirn ununterbrochen daran, Wichtiges zu stabilisieren und Überflüssiges auszusortieren. Und dieser Prozess beginnt früher, als viele denken: Schon Einjährige legen erste, erstaunlich robuste Gedächtnisspuren an. Andere Erinnerungen hingegen verblassen, werden überschrieben oder manchmal sogar durch vermeintliche »Erinnerungen« ersetzt, die in Wirklichkeit Konstruktionen unseres Gehirns sind. Das Gedächtnis ist ein System, das fortwährend auswählt, verstärkt, schwächt, löscht - und sich dabei selbst verändert. Die Neurowissenschaften beschäftigen sich schon lange mit der Frage, wie wir unser Gedächtnis beeinflussen können. Dass Gerüche und Musik Erinnerungsmechanismen aktivieren, haben Sie sicher auch schon erlebt. Doch auch grundlegende Faktoren wie Licht, Bewegung und Schlaf haben einen großen Einfluss auf unser Erinnerungsvermögen. In dieser Ausgabe widmen wir uns daher den vielen Facetten des Erinnerns und Vergessens. Warum tut es gut, Gedanken bewusst loszulassen? Schwächen digitale Helfer unser Gedächtnis - oder unterstützen sie es sinnvoll? Und wie gelingt es uns, die beeindruckende Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns zu nutzen, selbst noch im höheren Alter? Ich wünsche Ihnen viel Freude mit dieser ersten Ausgabe unserer neuen Reihe »Spektrum Dossier«! Herzlichst Carolin Wagener, Redaktion Spektrum der Wissenschaft.
Von Alzheimer bis Zytokine: Unsere Reihe »Spektrum Dossier« beleuchtet verschiedenste Themen aus Bereichen der Biologie, Medizin, Hirnforschung und Psychologie. Ziel ist es, das Leben in sei-ner ganzen Vielfalt darzustellen, von der Entstehung des Lebens bis hin zu aktuellen Gesundheits-fragen, und dabei fachliche Orientierung und Einordnung zu bieten. Jede Ausgabe widmet sich gezielt einem Thema.
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