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In der weiten, schweigenden Tiefebene der Vojvodina, wo Felder und Himmel ineinander verschwimmen und die Geschichte tiefe Furchen in die Erde gegraben hat, spielen die sieben Erzählungen von Tamás Feketes eindringlichem Band. Der Zeitraum 1941-1945 bildet den dunklen Rahmen, in dem Menschen verschiedenster Herkunft - Donauschwaben, Serben, Ungarn - in unausweichliche Situationen getrieben werden, die sie auf das Wesentliche reduzieren: Überleben, Schuld, Entscheidung.
Fekete erzählt keine Heldengeschichten. Er erzählt von Menschen in Zwischenräumen - von einer schwäbischen Bauersfrau, die einem verwundeten serbischen Partisanen hilft und dabei jeden Abend mit ihrem Ehemann am Tisch sitzt, der die neue Ordnung für ein Naturgesetz hält. Von Blicken, die mehr sagen als Sätze. Von Entscheidungen, die keine Entscheidungen sind, sondern das, was übrig bleibt, wenn alle anderen Möglichkeiten weggesunken sind.
Die Sprache des Autors ist präzise und von sparsamem Ernst - jeder Satz trägt Gewicht. Fekete verzichtet auf dramatische Zuspitzung und setzt stattdessen auf die leise, fast beiläufige Wucht des Alltags unter Besatzung und Angst. Schweigen wird zur Sprache, Gesten ersetzen Worte, und in den kleinsten Handlungen - einem Verband anlegen, Brot schneiden, einen Teller wegräumen - steckt die ganze moralische Komplexität einer Zeit, die keine einfachen Antworten kannte.
Dieser Erzählband ist ein wichtiges literarisches Zeugnis für eine Region und einen Krieg, der im deutschsprachigen Gedächtnis oft nur am Rande vorkommt. Wer sich auf diese sieben Geschichten einlässt, wird mit einer Lektüre belohnt, die nachhallt - ruhig, unerbittlich und tief.
Tamás Fekete wuchs in einer Familie mit reicher Geschichtsüberlieferung auf und entwickelte früh eine Faszination für die widersprüchlichen Geschichten der Donauregion. Er widmete sich jahrelang der Recherche von Zeitzeugenberichten und Archivmaterialien aus der Kriegszeit. Seine Erzählungen zeichnen sich durch psychologische Tiefe und die Darstellung moralischer Ambiguität aus. Fekete lebt zurückgezogen und arbeitet kontinuierlich an der literarischen Aufarbeitung vergessener historischer Momente.