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In "Nietzsche" entwirft Theodor Lessing keine konventionelle Lebensbeschreibung, sondern eine philosophisch geschärfte Deutung eines Autors, den er als Symptom und Seismographen der modernen Krise liest. Das Buch verbindet biographische Skizze, Werkinterpretation und kulturkritische Diagnose; sein Stil ist dicht, essayistisch und polemisch präzise. Im Kontext der Lebensphilosophie und der europäischen Nietzsche-Rezeption nach 1900 fragt Lessing nach Nihilismus, Wertzerfall, Genie, Krankheit und der gefährlichen Verführungskraft des prophetischen Denkens. Theodor Lessing, 1872 in Hannover geboren, war Philosoph, Publizist und scharfer Kritiker wilhelminischer wie nachwilhelminischer Selbstgewissheiten. Seine jüdische Herkunft, seine Studien in Medizin, Psychologie und Philosophie sowie seine Beschäftigung mit Geschichte als nachträglicher Sinngebung prägten seinen Blick auf Nietzsche. Lessing schrieb aus eigener Erfahrung geistiger Außenseiterschaft: skeptisch gegenüber Fortschrittsmythen, hellhörig für Ressentiment, Gewalt und die politische Instrumentalisierung großer Ideen. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Nietzsche nicht verehren oder widerlegen, sondern historisch verstehen wollen. Lessings Darstellung eröffnet einen anspruchsvollen Zugang zu Nietzsches Denkbewegung und zugleich zu den geistigen Spannungen der Moderne. Wer philosophische Biographie als kritische Kulturdiagnose schätzt, findet hier eine kluge, beunruhigende und ungewöhnlich aktuelle Lektüre.
Theodor Lessing,1872 in Hannover geboren, war im besten Sinne des Wortes ein 'Vielschreiber', der sich in allen möglichen Genres zunächst ausprobierte, um schlussendlich als Philosoph und Essayist seine wahre Mission zu finden. Mit 22 Jahren legte er seinen ersten Roman vor, kurz darauf folgten etliche Dramen, schräge Gedichtbände (Weiber! 301 Stoßseufzer über das 'schönere' Geschlecht.) und satirische Kampfschriften. In den 1920er Jahren erlangte er mit seinen Artikeln für das 'Prager Tagblatt' und den 'Dortmunder Generalanzeiger' sowohl deutschlandweite Beachtung als auch wegen seiner kompromisslosen Art, Ross und Reiter zu benennen, deutschlandweite Anfechtungen. Nach seiner Emigration 1933 in die Tschechoslowakei wurde de facto ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Drei sudetendeutsche Attentäter, die anschließend in Nazi-Deutschland als Helden gefeiert wurden, erschossen Theodor Lessing im tschechischen Mariánské Lázn-.