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In 'Der Erwählte' entfaltet Thomas Mann ein nuanciertes Gewebe aus moralischen Dilemmata und mystischen Themen, eingebettet in eine mittelalterliche Legende. Die Handlung setzt mit einer schweren moralischen Verfehlung ein: Ein Bruder und eine Schwester, gemeinsam in abgeschiedener Umgebung aufgewachsen, gehen eine verbotene Beziehung ein. Aus dieser Verbindung entsteht ein Kind, dessen Existenz die Schuld der Eltern offenbaren würde. Um Schande und Bestrafung zu entgehen, wird das Neugeborene in einer Kiste dem Meer überlassen, versehen mit einem Schriftstück, das seine Herkunft festhält. Das Kind überlebt und wird von einem Fischer gefunden, der es gemeinsam mit seiner Frau großzieht. Gregorius wächst in einfachen Verhältnissen auf, zeigt jedoch früh eine außergewöhnliche geistige Begabung und einen ausgeprägten Sinn für Ordnung und Moral. Seine ruhige Jugend findet ein jähes Ende, als er zufällig von dem Dokument erfährt, das Hinweise auf seine unbekannte Herkunft enthält. Innerlich erschüttert beschließt er, sein Zuhause zu verlassen und sich auf die Suche nach seiner Bestimmung zu begeben. Seine Wanderung führt ihn schließlich an den Hof einer mächtigen Herrscherin, deren Land durch innere Konflikte und äußere Bedrohungen erschüttert wird. Gregorius zeichnet sich durch Mut, körperliche Stärke und Klugheit aus und übernimmt zunehmend Verantwortung. In kriegerischen Auseinandersetzungen bewährt er sich ebenso wie im höfischen Leben, wodurch er das Vertrauen der Herrscherin gewinnt und eine herausragende Stellung einnimmt. Während sich seine äußere Stellung festigt, verdichten sich zugleich die verborgenen Verknüpfungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Schuld, Unwissenheit und göttliche Fügung greifen immer stärker ineinander. Der Erzähler begleitet diese Entwicklung mit ironischer Distanz und philosophischer Tiefe, sodass sich der Roman als spannungsreiche Lebensgeschichte entfaltet, in der die Folgen menschlichen Handelns Schritt für Schritt sichtbar werden, ohne ihr letztliches Ziel vorwegzunehmen. Der Text besticht durch seine vielschichtige Erzählweise und seine Fähigkeit, universelle menschliche Konflikte und Themen von Schicksal und göttlicher Vorsehung aufzugreifen.