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»Frech und frei« erzählt vom Widerstand einer sich entwickelnden Selbstbestimmt-Leben-Bewegung seit der Mitte der 1970er-Jahre. Es berichtet von der permanenten Auseinandersetzung mit gängigen Normen, Werten und Körperidealen, die noch oft die Prägungen der nationalsozialistischen Vergangenheit aufwiesen. Es erinnert an Demonstrationen gegen behindertenfeindliche Gerichtsurteile und an Bühnen- und Rathausbesetzungen. Es dokumentiert Proteste für die barrierefreie Nutzung von Bus und Bahn und zeichnet die Gegenwehr gegen neue »Euthanasie«-Forderungen und die Selektion durch humangenetische Techniken nach. Es skizziert den steinigen Weg, bis die Behindertenrechte Eingang in das Grundgesetz fanden, und warnt vor einem drohenden Rollback durch das Erstarken rechtsradikaler Denkweisen. Das mit Plakaten, Flugblättern und Zeitungsartikeln bebilderte Buch unterstreicht die Erkenntnis: Ohne die bewusste Verletzung von Regeln und Gesetzen wären die Erfolge der emanzipatorischen Behindertenbewegung undenkbar gewesen.
Udo Sierck, geb. 1956 in Hamburg, Dipl.-Bibliothekar, Dozent und Autor. Seit den 1970er-Jahren ein prägender Aktivist der autonomen Behindertenbewegung. Publikationen u.a.: »Die Wohltätermafia. Vom Erbgesundheitsgericht zur Humangenetischen Beratung« (gemeinsam mit Nati Radtke, 1984), »Der Pannwitzblick. Wie Gewalt gegen Behinderte entsteht« (1993), »Budenzauber Inklusion« (2013)' »Widerspenstig, eigensinnig, unbequem. Die unbekannte Geschichte behinderter Menschen« (2017), »Körperkult und Behinderung« (2023).