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Als vermeintliche Antwort auf die multiplen Krisen des gegenwärtigen Kapitalismus und im Kontext der zunehmenden gesellschaftlichen Autoritarisierung finden sich im gesellschaftlichen Diskurs Konjunkturen der Anrufung einer scheinbar präpolitischen und vorgesellschaftlichen >Natürlichen Ordnung<. Aus einer biologistischen und binären Logik heraus soll eine zutiefst heteronormativ vergeschlechtlichte, rassifizierte, klassistische und ableisierte Gesellschaftsordnung qua >Natur< konstituiert und legitimiert werden. Der Sammelband »Über die >Natürliche Ordnung<�« nähert sich dieser aus Perspektiven queer_feministischer Gesellschaftstheorie an und verfolgt dabei ein doppeltes Ziel: Zum einen analysieren und kritisieren die Autor:innen die Anrufung einer vermeintlich >Natürlichen Ordnung< als spezifische Konstellation bürgerlich-kapitalistischer, kolonialer Herrschaft und fragen zugleich nach darin eingelagerten Möglichkeiten der Emanzipation. Damit schreibt der Band weiter an einer Tradition kritischer Gesellschaftstheorie, die sich zugleich als Subjekttheorie versteht, und immer wieder verdeutlicht: »Das Natürliche ist gesellschaftlich!« - und ist als solches zu kritisieren und zu verändern.
Henrike Bloemen ist Politikwissenschaftlerin und nimmt in ihrer Dissertation eine feministische Wendung Antonio Gramscis Konzept des »Alltagsverstands« vor. Carla Ostermayer ist Politikwissenschaftlerin und forscht im Rahmen ihrer Doktorarbeit am Centrum Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck aus gesellschaftstheoretischer Perspektive zum Naturbezug in rechten Ideologien. Constanze Stutz ist Soziologin und promoviert im Rahmen des Promotionskollegs »Dialektik der Teilhabe« am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main über das widersprüchliche Erbe der ost- und westdeutschen Frauenbewegungen.
Inhalt Zur Frage einer >Natürlichen Ordnung<: An Stelle einer Einleitung Henrike Bloemen, Carla Ostermayer, Constanze Stutz Über die >Natürliche Ordnung< Chrononormativität der >natürlichen Geschlechterordnung<. Zum Verhältnis von Zeit, Geschlecht und >Natürlicher Ordnung< Friederike Beier Aufklärung und ihre Schatten. Wider die >Natürliche Ordnung< der Geschlechterverhältnisse Alexandra Colligs Techniken zur Herstellung und Aufrechterhaltung der >Natürlichen Ordnung des Privaten<: Inszenierungen des modernen Wohnens in der westdeutschen Frauenzeitschrift Constanze Christiane Irxenmayer Scham, Affekttheorie und >Natürliche Ordnung< Caroline Braunmühl Verewigung der Herrschaft Göttlich, aber sind ihre Tränen: Die Desaparición von Frauen* als mythische Gewalt Melinka Parra Karrer Die »Wiederherstellung der Natürlichen Ordnung«: Eine antifeministische Agenda für Europa Stefanie Mayer und Judith Goetz Völkisch-antisemitische Impfablehnung und der Glaube an die >Natürliche Ordnung< Isolde Vogel Zur >Natur< geordnete Gewalt: Schweigen als Technik der An_Ordnung von Gewalt, Geschlecht und Sexualität Laura Volgger Ringen um Emanzipation Warum es kompliziert bleibt. Queer_feministische Sorgepolitiken und ein Ringen um >Natur< Cari Maier Wider die >Natürliche Ordnung der Reproduktion<: Zu einer feministischen Phänomenologie der Schwangerschaftsfähigkeit Jola Vollmer »We're the Granddaughters of the Witches You Couldn't Burn.« Hexe als (queer-)feministische Subjektposition und ihr Verhältnis zur >Natürlichen Ordnung< Cordula Trunk Autor*innen Notizen