Installieren Sie die genialokal App auf Ihrem Startbildschirm für einen schnellen Zugriff und eine komfortable Nutzung.
Tippen Sie einfach auf Teilen:
Und dann auf "Zum Home-Bildschirm [+]".
Bei genialokal.de kaufen Sie online bei Ihrer lokalen, inhabergeführten Buchhandlung!
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs forderten Überlebende individuell und ab 1950 kollektiv die Anerkennung der Zwangssterilisationen und »Euthanasie« als NS-spezifisches Unrecht. Ihre Entschädigungsansprüche begründeten sie mit der Verletzung ihrer Menschenrechte. Diese Studie untersucht, wie Überlebende nach Anerkennung strebten und wie dies mithilfe der Konstruktion der »Erbkranken« abgewehrt wurde. Anhand der ersten Opferverbände und unter Berücksichtigung verfolgter Gehörloser zeigt Ulrika Mientus die Grenzen ihrer Handlungs- und Deutungsmacht in der Entschädigungsdiskussion, in der unterschiedliches Wissen über die Verbrechen und Betroffenen zirkulierte und um Durchsetzung konkurrierte. Indem sie die Betroffenen in den Fokus rückt, dekonstruiert sie hegemoniale Deutungsmuster und arbeitet Handlungsspielräume heraus. So wird deutlich, dass die verweigerte Anerkennung eine wiederholt getroffene, aber keineswegs alternativlose Entscheidung war. Das Buch leistet damit einen Beitrag zur Geschichte der nicht-anerkannten NS-Verfolgten in der frühen Bundesrepublik sowie zur Historisierung von Gewalt, Opferschaft und Menschenrechten nach 1945.
creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
Ulrika Mientus ist Historikerin und Politikwissenschaftlerin. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt »Opferverbände und Anerkennungsdynamiken in Westdeutschland, 1945-1975« an der Universität Marburg und arbeitet als politische Bildnerin.
InhaltEinleitung ...........................................................11Fragestellung und Gegenstand .....................................13Forschungskontexte ..............................................17Theoretischer Rahmen und methodische Bezüge ....................34Quellen und Anmerkungen zur Sprache ............................39Aufbau der Arbeit .................................................43I. Weichenstellung: Ordnungsgemäße Gewalt und falsche Opfer (1945-1949)Die »Erbgesundheit« der »Volksgemeinschaft« ..........................491. Betroffene ergreifen das Wort ......................................511.1 Individuelle Erzählungen über die unrechtmäßige Zwangssterilisation ...........................................521.2 Reaktionen auf die Betroffenen ................................682. Grundsteinlegung: Die Entnazifizierung der Zwangssterilisationen ...772.1 Ausdifferenzierung der Zwangssterilisierten ....................782.2 Schutz des beteiligten Personals ...............................1043. Der (ab)wertende Blick auf die »Euthanasie«-Opfer ..................1174. Die doppelte Nachgeschichte des GzVeN ............................1334.1 Kontrolle weiblicher Sexualität und Reproduktion ...............1344.2 Kontrolle »erbkranker« Körper durch ein neues Sterilisationsgesetz ...........................................149Zwischenfazit I .......................................................161II. Formierung: Erste Verbände und die Frage der Menschenrechte (1950-1954)»Vollwertiges Menschsein« ............................................1655. Der Zentralverband der Sterilisierten und Gesundheitsgeschädigten ..1675.1 Vertretungsanspruch .........................................1685.2 Gescheiterte Bemühungen um Anerkennung ....................1795.3 Kollektives Engagement jenseits des Zentralverbands ............1986. Die neue alte Entschädigungspolitik ................................2136.1 Differenzierte Menschen(rechte) ...............................2146.2 Keine Alternativlosigkeit: Der Stuttgarter Alleingang .............2357. Der delegitimierende Expertenblick ................................253Zwischenfazit II ......................................................279III. Konsolidierung: Ein neuer Verband und konträre Opferkonstruktionen (1954-1970)Eugenische Schreckbilder .............................................2838. Der Bund der Opfer des Faschismus ................................2858.1 Umstrittene Gründung und begrenzte Handlungsmacht .........2868.2 Entschädigungsengagement mit exzeptionellen Opferbildern ....3098.3 Individuelle, chancenlose Anerkennungsversuche ...............3379. Die Entschädigungsfrage wird brisanter ............................3519.1 Politischer Handlungsdruck und ministerialer Widerstand .......3519.2 Eine schleppende und erfolglose Suche .........................37210. Die Persistenz eugenischen Denkens ...............................40111. »Vollwertige Menschen«?! Gehörlose in der westdeutschen Gesellschaft 433Zwischenfazit III .....................................................455SchlussDas uneingelöste Versprechen gleicher Menschenrechte .................461Die Handlungs- und Deutungsmacht der Opfer(verbände) ...........462»Erbkrank« und »minderwertig« als zentrale Aushandlungskategorien 466Gewaltlegitimation in einer sich demokratisierenden Gesellschaft .....470AnhangAbkürzungen ........................................................479Abbildungen .........................................................481Quellen und Literatur .................................................483Archivgut ........................................................483Gedruckte Quellen ................................................485Periodika ........................................................488Interview ........................................................489Literatur ......