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Berlin - Moskau - Berlin: Der Zug ohne Gleise Europa fährt seit Jahrzehnten auf Schienen, die niemand wirklich gebaut hat. Sie sollen von Berlin nach Moskau und zurück führen, doch längst ist klar: Der Zug, der darüber rollen sollte, hat keine Gleise. Was wir heute erleben, ist die Entzauberung eines ökonomischen Idealismus, der in seiner Unschuld naiv wirkte und in seiner Wirklichkeit gefährlich wurde. Dieser Idealismus, einst als rationaler Versuch gedacht, Konflikte durch Handel zu entschärfen, hat sich über die Jahre zu einer ideologischen Selbstversicherung entwickelt. Nicht Realpolitik, sondern Wunschdenken bestimmte die Fahrtrichtung; nicht nüchterne Analyse, sondern der Glaube an eine Ordnung, die nie existierte. Die Wurzeln dieser Entwicklung reichen zurück in die 1970er Jahre. Der Westen, Deutschland in besonderem Maße, setzte auf wirtschaftliche Verflechtungen als Friedensgarantie. Handel sollte zivilisieren, Märkte sollten demokratische Werte tragen - als seien Warenlieferungen Vehikel politischer Erziehung. Die Logik erschien einfach: Wenn ein Land wie Russland in ökonomische Netze eingebunden wird, werden seine Handlungen kalkulierbar, seine Aggressionen gebremst. Doch was rational klang, verwandelte sich über die Jahrzehnte in einen Mechanismus der Selbsttäuschung. Die Hoffnungen, die an Handelsbeziehungen geknüpft wurden, dienten zunehmend als Deckmantel für die Ignoranz gegenüber Machtpolitik und Realität.