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Das Polizeibataillon 305 wird Anfang 1940 in Itzehoe im Kreis Steinburg aufgestellt. Vier Kompanien werden im Oktober 1940 nach Kielce im besetzten Polen verlegt. In Kielce ist das Bataillon in einem alten Schulgebäude untergebracht. Die Männer bewachen Gefängnisse, sichern Bahnstrecken, schützen Industrieanlagen und Bergwerke. Immer wieder ist das Bataillon an Verbrechen beteiligt. Im Winter 1940/41 und im Laufe des Jahres 1941 begleiten Angehörige des Bataillons Judentransporte nach Auschwitz. Die Männer werden dazu eingesetzt, in Kamienna ein Lager des SS Sicherheitsdienstes SD zu bewachen, in dem Gefangene verhört und gefoltert werden. Schließlich führen Teile des Bataillons Exekutionen durch oder sichern sie ab. Im Frühjahr 1942 wird das Bataillon 305 per Flugzeug weiter nach Osten verlegt, zum Kampfeinsatz. Die Männer sind im Raum Leningrad stationiert. Später wird das Polizeibataillon 305 als 3. Bataillon in das SS Polizeiregiment 16 eingegliedert. Das Regiment wird in Litauen und Belarus zur sogenannten Bandenbekämpfung eingesetzt. Gemeint ist damit nicht nur der Kampf gegen Partisanen, sondern ein Krieg gegen ganze Landstriche und ihre Bewohner. Die Aktionen tragen Decknamen wie Fritz, Heinrich oder Otto. Die Einheiten durchkämmen Wälder und Sümpfe, rücken in Dörfer ein, treiben Bewohner zusammen, brennen Häuser nieder, erschießen Menschen und verschleppen andere zur Zwangsarbeit. Frauen, Kinder und Alte geraten ebenso ins Visier wie bewaffnete Gegner. Nach einem Partisanenüberfall am 3. Juni 1944 in der Nähe des Dorfes Pirciupai, südwestlich von Vilnius, befiehlt Regimentskommandeur Walter Titel als Vergeltungsmaßnahme noch an demselben Tag die völlige Zerstörung des Dorfes. Mit der Durchführung werden die 9. und 10. Kompanie des III. Bataillons beauftragt, also Angehörige genau des Bataillons, das aus dem früheren Hamburger Polizeibataillon 305 hervorgegangen ist. Die Polizisten brennen das Dorf nieder und ermorden 119 Dorfbewohner. Das Massaker von Pirciupiai /Pirciupis wird in Westdeutschland nie Gegenstand von Ermittlungen. Die staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen beziehen sich ausschließlich auf die Zeit, in der das Bataillon 305 in Polen stationiert war. Was geschieht, nachdem das Bataillon Ende 1942 in das SS-Polizeiregiment 16 eingegliedert und dann ins Baltikum verlegt wird, bleibt völlig ungeahndet. Nur wenige Angehörige dieser Polizeieinheit und ihrer Führung werden nach dem Krieg überhaupt zur Rechenschaft gezogen.
Walter Vietzen, geboren am 22. März 1954 in Kellinghusen, ist ein deutscher Lehrer, Autor und Regionalhistoriker, der für sein jahrzehntelanges Engagement für Frieden, Demokratie und Menschenrechte bekannt ist. Er arbeitete als Lehrer für Deutsch und Biologie an der Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe in Kellinghusen (Schleswig-Holstein). Vietzen erforschte intensiv die Zeit des Nationalsozialismus in Mittelholstein. Er initiierte lokale Gedenkprojekte zusammen mit der Bürgerinitiative Kellinghusener Stadtwege zur Mitmenschlichkeit. Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde er 2018 mit dem Bundesverdienstorden (Verdienstkreuz am Bande) ausgezeichnet. Walter Vietzen verfasste regionalgeschichtliche Werke wie Kellinghusen unter dem Hakenkreuz, Zwangsarbeitende in Kellinghusen und Friedensstele und Stolpersteine in Kellinghusen. Zusammen mit seinen Schülerinnen und Schülern entstanden unter seiner Leitung mehrere Filmdokumentationen: die Filmdokumentation Vergessene Lager - Das Konzentrationslager Kaltenkirchen/Springhirsch, Lieder aus dem Konzentrationslager mit Harry Naujocks und Fritz Bringmann und der Kurzfilm Marianne Cohn, eine jüdische Widerstandskämpferin.