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In "Von Wundern und Tieren: Neue naturwissenschaftliche Plaudereien" verwandelt Wilhelm Bölsche das scheinbar Wunderbare der belebten Natur in Gegenstand nüchterner, doch staunender Erkenntnis. Tiere erscheinen nicht als Kuriositäten, sondern als Träger evolutionärer Zusammenhänge, deren Verhalten, Gestalt und Umweltbeziehungen erzählerisch erschlossen werden. Der Stil verbindet gelehrte Anschaulichkeit mit feuilletonistischer Beweglichkeit und steht im Kontext jener populären Naturwissenschaft um 1900, die Darwinismus, Monismus und literarische Bildung miteinander vermittelte. Bölsche, 1861 geboren und 1939 gestorben, gehörte zu den einflussreichsten deutschsprachigen Vermittlern naturwissenschaftlichen Denkens. Als Schriftsteller, Herausgeber und Mitglied des Friedrichshagener Dichterkreises bewegte er sich zwischen Literatur, Weltanschauung und Biologie. Seine Nähe zu den Ideen Darwins und Ernst Haeckels, sein Interesse an Entwicklungslehre und seine Überzeugung, dass Naturerkenntnis auch kulturelle Selbstaufklärung bedeutet, prägen diese Plaudereien unverkennbar. Empfohlen sei dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die Wissenschaftsgeschichte nicht als trockene Archivdisziplin, sondern als lebendige Form des Denkens begreifen. Bölsches Texte eröffnen einen Zugang zu einer Epoche, in der Naturbeobachtung, philosophischer Deutungswille und sprachliche Eleganz eng zusammengehörten. Wer Tiere verstehen und zugleich die geistige Atmosphäre der Jahrhundertwende kennenlernen möchte, findet hier eine anregende, kenntnisreiche Lektüre.