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Die Tagebücher Wolf Biermanns - ein zeithistorisches Ereignis
Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk ediert erstmals Auszüge aus dem Tagebuchwerk von Wolf Biermann. In 'Ihr löscht das Feuer mit Benzin' finden sich bewegende Einblicke in das Leben und Denken eines Mannes, der wie kein Zweiter in der Diktatur für die individuelle Freiheit kämpfte. Beim Beobachten analysiert Biermann sich selbst genauso schonungslos wie die politische Landschaft, ab 1976 auch Westdeutschlands. Er portraitiert seine Zeitgenossen, von Politikern wie Walter Ulbricht, Willy Brandt und Helmut Kohl bis zu Weggefährten wie Robert Havemann, Ernst Bloch, Joan Baez, Alan Ginsberg, Rudi Dutschke, Manfred Krug, Christa Wolf oder Manès Sperber. Zwei Bildteile mit Faksimiles illustrieren den Charakter der Tagebücher, die Aufzeichnungen zum persönlichen Leben, Arbeitsentwürfe, Zeichnungen, Fotos, Briefe und kommentierte Einklebungen versammeln. Unbekannte Einblicke in das Leben Wolf Biermanns - und ein Sittenroman des politischen Lebens im geteilten Deutschland. 'In der Geschichte der deutschen Literatur mangelt es nicht an Autoren, die verbannt und vertrieben wurden, die man in Gefängnissen und Konzentrationslagern mißhandelt und gepeinigt hat. Doch einen, der nicht singen und nicht publizieren durfte und der dennoch gehört und gelesen wurde, einen, der den Widerstand gegen den Terror symbolisierte, der den Nonkonformismus geradezu verkörperte und dies elf Jahre lang, einen solchen Deutschen kannte man vor ihm nicht, vor ihm, Wolf Biermann.' MARCEL REICH-RANICKI
Ausstattung: farbiger Bildteil
Wolf Biermann, geboren am 15. November 1936 in Hamburg, ist ein deutscher Liedermacher und Dichter. 1953 übersiedelte er in die DDR. Ab 1960 schrieb er Lieder und Gedichte. Gegen den Kritiker der DDR-Parteidiktatur wurde 1965 ein totales Auftritts- und Publikationsverbot verhängt. 1976 wurde er - gegen alle Rechtsnormen - ausgebürgert. Die Ausbürgerung Biermanns löste in beiden deutschen Staaten und international große Proteste aus. Wolf Biermann, der bis heute politische Debatten anstößt, gilt als Symbolfigur des Widerstands gegen Gesinnungsterror und Zensur. Sein umfangreiches musikalisches wie dichterisches Werk wurde in viele Sprachen übersetzt. Mit seinen Tagebuchaufzeichnungen schuf er zudem eine Chronik der deutschen Nachkriegsgeschichte.