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Selbst in der interessierten Musikwelt ist nur sehr wenigen Menschen der Name Stoyke ein Begriff. Dabei hat dieser Mann sein ganzes Dasein der Musik gewidmet, alles lässt sich für ihn in Klängen denken. Aber bei nahendem Rentenalter ist es nicht der ausgebliebene Publikumserfolg, der sich ihm immer wieder in den Kopf drängt. Es sind die Kinder, die er nie hatte. Was wäre aus denen geworden? Mit welchen Frauen hätte er sie haben können, und warum ist es nie dazu gekommen? Was wäre er für ein Vater gewesen? Begegnungen mit echten Kindern sprechen jedenfalls nicht für großes Talent in dieser Hinsicht. So hadert Stoyke als meist freundlicher Verlierer und manchmal abgelenkt von Kompositionstagträumereien mit sich, sei es inmitten von Alltag und Irrwitz der Musikhochschule, an der er unterrichtet, oder bei der Suche nach dem verschollenen musikalischen Erbe alter Freunde, die vielleicht ebenfalls geheime Genies gewesen sind.
Wolfgang Cziesla, Jahrgang 1955, debütierte 1986 im Steidl Verlag mit seinem Roman "Visitatio" und lebte dann lange als Dozent im Ausland, vor allem in Chile und in Brasilien, wo er u.-a. auch in Fortaleza im Auftrag des Goethe-Instituts die "Casa de Cultura Alemã" leitete. 2004 und 2005 erschienen zwei weitere Romane, anderes immer wieder in Zeitschriften (zuletzt z.-B. in "orte, metamorphosen" und "Sinn und Form"). Sein Schreiben wurde durch zahlreiche Stipendien (u.-a. Kunststiftung NRW, Künstlerdorf Schöppingen, Franz-Edelmaier-Residenz/Meran, Künstlerhaus Lukas/Ahrenshoop, Kloster Dornach/Solothurn) geehrt und gefördert.