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Den Rest unseres Lebens werden wir in ihr verbringen: der Zukunft. Deshalb ist unser Bezug zu ihr niemals neutral: Wir begegnen ihr mit Hoffnung oder Hoffnungslosigkeit, Optimismus oder Trauer, Sehnsucht oder Prokrastination, Geduld oder Zukunftsvergessenheit. Diese emotionale Färbung unseres Zukunftsbezugs ist kein psychologisches Beiwerk, sondern prägt fundamental, wer wir sind und wie wir handeln. Nun kommt eine Emotion selten allein - meist haben wir es mit komplexen emotionalen Netzwerken zu tun, die unsere Identität mitbestimmen. Der Band zeigt auf, wie wir uns durch Emotionen selbst 'voraus' sind: Manchmal eilen unsere Gefühle unserem Bewusstsein voraus und müssen erst 'eingefangen' werden. Manchmal richten wir uns ganz bewusst emotional auf Kommendes aus. In der Spätmoderne, die vom Verlust vormaliger Zukunftserwartungen geprägt ist, wird diese emotionale Dimension umso brisanter. Welche Emotionen sind angemessen angesichts konkreter Szenarien, etwa im Blick auf Klima oder Demokratie? Wie konstruieren wir durch unsere Gefühle die Zukünfte, die wir erwarten? Und umgekehrt, wie bestimmen Zukünfte und Emotionen schon jetzt? Gibt es vielleicht sogar eine Pflicht zur Hoffnung? Zukunftsemotionen vereint führende Stimmen aus Philosophie, Ethik, Kulturwissenschaft und Theologie zu der zentralen Erkenntnis: Unsere Emotionen zur Zukunft sind weder bloße Stimmungen noch private Angelegenheiten - sie sind aktive Kräfte, die bestimmen, welche Zukünfte möglich werden.
Hartmut von Sass , 1980 geboren, ist Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Hamburg. Er ist der Autor von Sprachspiele des Glaubens (2010), Gott als Ereignis des Seins (2013), A Philosophy of Comparisons (2021), Atheistisch glauben. Ein theologischer Essay (2022), Außer sich sein. Hoffnung und ein neues Format der Theologie (2023) sowie Novum. Zukunft als (theologisches) Problem (2026). Er beschäftigt sich gerade mit unserem (normativen) Bezug zur Zukunft, mit Einzelemotionen und deren Zusammenhang und mit den Aussichten, Theologie praxeologisch zu verstehen.